Emma Cline: „The Girls“

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Ich liebe Romane und Musik, daher habe ich beim Lesen oft meinen eigenen Soundtrack im Kopf. Neulich habe ich das Buch „The Girls“ von Emma Cline gelesen. Ein düsterer, etwas verstörender aber sehr faszinierender Roman. Er spielt im Jahr 1969. Anfänglich hatte ich u.a. Led Zeppelin und die ganze Woodstock-Liga im Kopf… dann wird der Text aber immer mehr gleich einem Mahlstrom und die Musik in mir tendierte zu Nine Inch Nails: „Piggy“…

Das Buch spielt in zwei Zeitebenen, wobei die Haupthandlung in Kalifornien im Jahr 1969 spielt. Es ist die Zeit der inneren Unruhe, des musikalischen Aufbruchs in der Rockgeschichte, der von England nach Amerika schwappte. Es ist die Zeit der Kommunen und der Hippies.

Die erste winzige Szene im Buch stellt uns die vierzehnjährige Evie Boyd vor, die auf Mädchen trifft, die sich ganz frei und ungezwungen bewegen und mit langen, ungekämmten Haaren und ungewöhnlichen, fransigen Kleidern durch den Park gehen. Sie sind so ganz anders als alle anderen, die Evie bisher kannte.

Dann springt das Buch in die Zukunft und Evie Boyd wohnt in einem geliehenen Haus. Sie hat ihren Job verloren und ihr Erbe hat sie bereits vor Jahren aufgebraucht. Ein besorgter Freund hat ihr sein Ferienhaus angeboten. Nachts hört sie Geräusche und wird von vermeintlichen Einbrechern geweckt. Doch ist es der Sohn des Ferienhausbesitzers mit seiner Freundin, die von Evies Aufenthalt nichts wissen. Es dauert etwas, bis sie sich erkennen, denn Evie hat den jungen Mann vor Jahren zuletzt gesehen. Als er sich an sie erinnert, ist er erneut fasziniert, denn Evie war eine von den Frauen der „Ranch“, von der „Sekte“ und bereits als Kind hat ihn das, was dort passiert war auf krankhafte Weise begeistert. Es hatte ihn abgeschreckt, aber auch gefesselt.

Zurückblickend wird nun die Geschichte erzählt, wie Evie in den Bann der Mädchen und deren Anführer, der abstoßenden Guru-Figur Russell gerät. Sie ist vierzehn und ihre Eltern sind geschieden. Sie sehnt sich nach Beachtung, nach Liebe und Geborgenheit. Auch ihre Freunde nehmen sie nicht mehr wahr und sie empfindet sich als unsichtbar und möchte unbedingt gesehen werden. Zum wiederholten Male begegnet sie neuerdings im Ort den Mädchen, die so ganz anders sind. Es sind junge Frauen, die sich sehr ungezwungen verhalten. Das Erscheinungsbild ist sehr ungepflegt. Bei einem versuchten Ladendiebstahl spielt sie mit und besorgt für die Frauengruppe die fehlenden Hygieneartikel. Durch diese Tat, die sie nur im Schein als Diebstahl aussehen lässt, wird sie endlich wahrgenommen und gerät besonders in den Bann von Susanne, der älteren von ihnen. Sie steigt in deren klapprigen Bus und fährt mit zur Ranch, die tief in den umliegenden Hügeln liegt.

Evie ist nun eine von den Mädchen, aber fernab ihrer bekannten Welt. Die Ranch ist verwahrlost und überall ist es schmutzig. Bevölkert wird das Lager von Aussteigern und Ausgerissenen. Gleich bei ihrer Ankunft wird eine bizarre Party gefeiert. Zwischen Musik und Räucherwerk verlangt der Anführer von Evie Sex. Evie ist zu jung und unerfahren, um zu verstehen, was mit ihr geschieht. Sie gibt sich ihrer Illusion von freier und grenzenloser Liebe hin. Sie merkt noch nicht, wie sie immer mehr mit und durch diese Gruppe absteigt und sich selbst zu verlieren scheint. Durch ihre Einsamkeit ist sie leicht zu verführen und gerät fast an den Rand eines mörderischen Kults. Es kommt der Moment, der ihr Leben verändert und sogar gewaltvoll zerstören könnte… Ein leicht verstörender Debut-Roman, der bis zum Ende fesselt.

Siehe auch die Besprechung von Mareike: Herzpotenzial

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4 Antworten zu “Emma Cline: „The Girls“

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