Dr. Klaus Witt: „Der Seelenfänger von Capri“

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Dieser Leseeindruck könnte etwas persönlicher ausfallen, denn bereits als Kind hat mich sehr die Geringschätzung der Menschen gegenüber anderen Lebensformen, besonders den Tieren, beschäftigt. Da auch im Dezember unser Kater und gestern unsere Katze, die beide an Krebs erkrankt waren,  verstorben sind, hat mich das Buch von Klaus Witt sehr angesprochen. Warum trauern wir Menschen um unsere geliebten Haustiere, die für uns wie Familienmitglieder sind und blenden aus, dass das Stück Fleisch, das auf dem Teller liegt auch von einem Tier stammt, das doch auch ein Recht hatte zu leben und geliebt zu werden? Was ist der ethische Unterschied zwischen einer Katze, Kuh oder Biene? Was soll auch der Begriff „Nutztier“ wirklich verdeutlichen und verschleiern? Haben Nutztiere weniger Rechte? Aber wovon noch weniger? Denn Tiere gelten doch meist als seelen- und rechtlos. Die Betrachtungsweise, welche Tiere appetitlich oder süß wirken, hängt vom kulturellen Umfeld ab. Stets vorrätiges und günstiges Fleisch setzt Massentierhaltung und grausame Quälereien voraus.

„Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben“ (Leo Tolstoi)

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Der praktizierende Tierarzt Dr. Klaus Witt hat für sich erkannt, dass er sich ausschließlich um die Heilung der Tiere kümmern möchte und nicht um die Methode, wie man Tiere möglichst rationell und gewinnbringend ausbeutet. Seine Approbation zum Tierarzt und die ärztliche Diagnose Krebs bei seiner Mutter treffen zeitgleich ein und es keimt in ihm der Wunsch, seiner Mutter seine Lieblingsinsel Capri zu zeigen. Klaus Witt hat für sich Capri liebgewonnen und in ihm ist immer diese Sehnsucht nach der Insel. Kaum kommen die beiden auf der Insel an, werden sie mit einem kranken Hund konfrontiert und lernen durch diesen liebgewonnenen Patienten den Tierarzt der Insel, den „Dottore“, den Seelenfänger, kennen. Diese Freundschaft und die mediterrane Lebensart regen die Gedanken von Klaus Witt an und  es ist ein leidenschaftlicher Appell an die Verantwortung gegenüber dem Leben und ein lebendiger Reisebericht entstanden. Das Buch macht unglaubliche Lust auf die Insel und ist für mich eine Überraschung, denn Klaus Witt ist ein belesener und fühlender Mensch, der seine Erkundungen auf Capri neben seine erlesenen philosophischen, spirituellen Ansichten mit seinen eigenen Gedankengängen kombiniert. Ein unterhaltsames Plädoyer für die Seele der Tiere und für ein Bewusstsein u.a. beim Einkauf und Konsum von Tierprodukten.

Neben den empfehlenswerten und gerade sehr aktuellen Werken von Peter Wohlleben und Clemens G. Arvay reiht sich dieses Manifest für die Tiere gelungen ein.

Jeder kann nur sich ändern und damit sein Umfeld beeinflussen. Sollten diesem Beispiel mehr Menschen folgen, könnte aus den individuellen Inseln, die wir jeder für sich sind,  ein glücklicheres und friedvolleres Miteinander keimen.

182Ich lebe vegan und durfte mal eine Woche in der Tierarztpraxis Kirchhofallee an der Seite von Dr. Matthias Böhm arbeiten, der mich zu diesem Praktikum eingeladen hatte. Er hätte mich gerne für eine Umschulung eingestellt, da er meinen Umgang mit Tieren mochte. Doch hat sich meine Biographie anders gestaltet, aber das Praktikum hat mich in meiner Hingabe zu den Tieren bestärkt. Warum sieht sich der Mensch immer noch gegenüber allen Lebensformen als erhaben an? Warum müssen wir alles ausbeuten und geringschätzen? Ich hoffe, dieser Reisebericht und anrührende Seelenfänger für Menschen und Tiere wird einen Beitrag dazu leisten. Zumindest regt er zum Nachdenken an und macht auch auf Capri sehr neugierig.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

2 Antworten zu “Dr. Klaus Witt: „Der Seelenfänger von Capri“

  1. Bri

    Capri ist eine wunderschöne Insel – die muss man sich ansehen 😉 Danke für diese schöne Rezension, die viele Verbindungen aufzeigt, die leider allzu oft nicht gesehen werden und den persönlichen Einblick! Das Buch werde ich mir merken. LG, Bri

  2. Werter Hauke,
    Deine feine Rezension spricht mir aus dem Herzen, und ich danke Dir für diesen Lektürehinweis, der mir sonst wohl entgangen wäre.

    Ich habe vor zwölf Jahren das Buch von John Robbins „Ernährung für ein neues Jahrtausend“ gelesen und diese Lektüre hat mich endgültig zur Vegetarierin gemacht.
    Folgende Sätze sind mir sozusagen geistig eintätowiert geblieben:
    „Möge Friede auf Erden herrschen, und möge er bei mir beginnen. Eine gewaltlose Welt hat ihre Wurzeln in einer gewaltlosen Ernährung.“
    (Seite 337)

    Sommersonnige Grüße von Ulrike 🙂

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