János Székely: „Verlockung“

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Die Wiederentdeckung eines Leseschatzes. Székely ging bereits 1935 mit dem Roman  „Verlockung“ schwanger. Das Werk vollendete er dann gute zehn Jahre später. Es sollten weitere Romane folgen, die mit „Verlockung“ eine Trilogie bilden sollten. Leider hat Székely es nicht geschafft, diesen Romanzyklus zu verwirklichen. Aber „Verlockung“ für sich allein gelesen ist eine Bereicherung.

Die Handlung beinhaltet wohl viel Biographisches vom Autor. János Székely wurde 1901 in Budapest geboren. Als Achtzehnjähriger kam er auf der Flucht vor dem Horthy-Regime nach Berlin. Er verfasste Drehbücher für Stummfilme. 1934 erhielt er eine Einladung nach Hollywood und 1938 wanderte Székely endgültig aus. Während der McCarthy-Ära wurde er wiederum verfolgt und ging mit seiner Familie kurzzeitig nach Mexiko. Bereits schwer erkrankt kehrte er zurück nach Berlin und starb dort 1958.

„Verlockung“ spielt zwischen den beiden Weltkriegen in Ungarn und erzählt die lebendige und spannende Geschichte von Belá. Er wächst in einfachen Verhältnissen in einem trostlosen Dorf auf.  Bereits der Anfang des Buches lässt ahnen, wie humorvoll und toll die nun folgende Geschichte sein wird:

„Mein Leben beginnt wie ein Kriminalschmöker: Man wollte mich ermorden. Glücklicherweise wurde dieser Plan fünf Monate vor meiner Geburt gefasst, und so hat er mich kaum sonderlich erschüttert.“

So beginnt das komplexe Werk als Schelmen- Abenteuer- und Erziehungsroman. Der Protagonist ist Belá, Sohn einer Waschfrau, die diesen bei einer ehemaligen Prostituierten aufwachsen lässt, die wiederum ein heruntergekommenes Heim, d.h. eine Pension für uneheliche Kinder und (freizügige) Dienstmädchen, betreibt. Da er zur Schule gehen darf und sogar Schulbester wird, schafft er es Ende der zwanziger Jahre nach Budapest. Er arbeitet dort als Liftboy und Page in einem vornehmen Hotel. Seine Verlockung sind die Frauen. Besonders die elegante Dame aus Appartement 205, die den Hotelpagen gerne zu Liebesdiensten bestellt. Belá meinte es geschafft zu haben, das triste und arme Leben hinter sich lassen zu können. Er meinte kurzweilig das Glück spüren zu können. Belá sehnt sich nach Liebe und nicht nach dem großen Geld. Denn die Pagen bedienen sich nach den erzwungenen Liebesphantasien der edlen Dame in deren Geldbörse. Ein hübsches amerikanisches Mädchen zieht in das Hotel und es kommt zu zarten Annährungen zwischen ihr und Belá. Aber irgendwann ist diese auch abgereist und hinterlässt in ihm den Wunsch in die USA zu fliehen. Das Schreiben des amerikanischen Mädchens erreicht ihn mit unleserlichem Absender und somit verpasst Belá abermals sein Glück…

Ein umfangreicher Roman, der klug unterhält und einen mit dem Helden hoffen lässt. Die Sprache bleibt stets humorvoll und sehr anspruchsvoll – gleich der Handlung. Ich hoffe, viele Leser werden sich der „Verlockung“ hingeben…

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “János Székely: „Verlockung“

  1. Hab mich schon verlocken lassen und das Buch gekauft. Freue mich nach der Besprechung hier noch mehr auf die Lektüre 😃

  2. Ruth Leukam

    Ein wunderbarer Schmöker, wie gut, dass er endlich wieder lieferbar ist

  3. Pingback: János Székely – Verlockung | Muromez

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