Elizabeth Graver: „Die Sommer der Porters“

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Ein stiller Familien- d.h. Generationenroman, der die Sommermonate der wohlhabenden Familie Porter beleuchtet, die ein Haus auf der Halbinsel Ashaunt in Massachusetts ihr Eigen nennen. Es sind ausgewählte Sommer, die episodenhaft die Geschichte einzelner Familienmitglieder erzählen. Der Roman spannt den Bogen von 1942 bis zur Jahrtausendwende.

Mister Porter, der im Rollstuhl sitzt, und seine Frau verbringen mit ihren drei Töchtern Helen, Dossy und Janie meist eine schöne Zeit in ihrem Sommerhaus. Doch ist nun der Krieg allgegenwärtig, auch auf der betulichen Insel und wächst zu einer nahenden Bedrohung. Charlie, der einzige Sohn der Porters, wird zum Piloten ausgebildet und wohl bereits bald nach Europa abkommandiert. Der Vater und die Mädchen sind stolz auf ihren Bruder, der stets präsent ist, haben aber natürlich auch Angst um ihn.

Viele der wohlhabenden Grund- und Sommerhausbesitzer meiden bereits die Insel, denn in der nahen Nachbarschaft wurde ein Militärstützpunkt errichtet. Mit der Familie reisen stets das Personal und zwei schottische Kindermädchen nach Ashaunt. Denn die Porters wirken nicht wie umsorgende Eltern und überlassen die eigentliche Erziehung den mitangereisten jungen Frauen. Bea, die sich allein um die jüngste Tochter kümmern soll, liebt diese wie eine eigene Tochter. Doch wird Bea sich bald zu entscheiden haben, ob sie weiterhin bei den Porters in Einstellung als Mutterersatz bleibt oder ihre eigene Familie gründet. Denn mit dem Aufbau des Militärstützpunkts hat sich nicht nur die Infrastruktur der Insel gewandelt, sondern es sind in der Nachbarschaft junge Soldaten, die mit den Mädchen und Frauen flirten und es werden verschiedene Bekanntschaften gemacht. So beginnen auch für die Töchter der Porters schicksalhafte Zeiten.

In weitschweifenden Kapiteln werden einzelne Charaktere und Zeiten, d.h. Sommer hervorgehoben. Helen, die vorerst aufmüpfige, dann starke Frau, die aber auch widersprüchlich wirkt, möchte das Leben kosten und alles haben. Helen war immer am engsten verbunden mit Charlie, der ebenfalls seine Probleme hatte und auch später immer gegenwärtig bleibt, auch als er bereits Soldat ist. So wandert man als Leser chronologisch durch die Sommer der Porters. Beginnend mit der Beziehung der Eltern zu ihren Kindern und deren Kindermädchen. Aber mit der Zeit kommen immer mehr Familienmitglieder hinzu, die das Sommerhaus als innere und äußere Zuflucht kennenlernen. Die einzelnen Schicksale werden aus wechselnden Perspektiven und sogar in Briefen erzählt.

Der Roman handelt von Liebe, Enttäuschungen, falschen Erwartungen und Hoffnungen. Die Geschichte erzählt viel, lässt wiederum aber auch einiges aus. So werden durch diese Auswahl und den Zeitraffer bestimmte Schwierigkeiten, Entscheidungen und Entwicklungen innerhalb der Generationen der Familie hervorgehoben. Durch die flüssige und stimmungsvolle Sprache, gelingt es Elizabeth Graver zügig die einzelnen Figuren zu charakterisieren und dem Leser vertraut werden zu lassen. Der Roman liest sich filmreif und bietet viele stille und schöne Lesemomente. Ein Roman, der in den Wirren unserer Geschichte das Alltägliche und nicht Alltägliche einer wohlhabenden Familie erzählt, die an der Küste ihren Rückzugsort findet, der aber nicht immer paradiesisch sein muss. Der Roman war in den USA für den National Book Award nominiert.

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