Alessandro Baricco: „Smith & Wesson“

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Ein kleines Buch voller Schmerz, Verzweiflung und Humor. Es ist eine Dramanovelle, die eine abenteuerliche Geschichte vor naturgewaltiger Kulisse erzählt. Die drei Menschen, die sich nicht per Zufall treffen, sind Gestrandete, Verfolgte und Habenichtse, die viele wahnwitzige Ideen haben. Man könnte meinen, diese Charaktere sind der großartigen Serie „Deadwood“ entsprungen. Die Kulisse für das kurze Theaterstück sind die Niagarafälle.

Die Handlung spielt 1902 unweit der Niagarafälle. In einer Baracke liegt Wesson und unterzieht sich gerade einer Bohnen-Diät. Es klopft an der Tür und Smith betritt die Szenerie. Beide haben mit der Waffenfabrik nur die Nachnamen gemein. Ihre Vornamen sind zukünftig nicht minder berühmt: Tom und Jerry. Beide lernen sich kennen, da Smith, der sich als Meteorologe ausgibt, auf der Suche nach Wetterbeobachtungen ist. Anhand der Erinnerung seiner Gesprächspartner erstellt er Listen über das Wetter vergangener Tage. Anhand dieser will er dann statistisch das Wetter vorhersagen. Ob er aber zu Lebzeiten jemals genügend Daten sammeln kann, ist mehr als fraglich, für ihn aber nebensächlich. Wesson ist ein Kenner des Flusses und der Niagarafälle. Keiner kennt die Strömung und den Lauf besser als er, denn er ist wie bereits sein Vater ein „Fischer“. Er fischt jene Menschen aus dem Wasser, die sich in den Tod gestürzt haben. Sein Vater hat noch die Lebenden retten können, er begnügt sich mit den Toten.

Rachel, als dritte Figur, träumt von einem Leben als Journalistin. Sie hat sogar die Chance bekommen innerhalb weniger Tage eine Story zu schreiben, die Schlagzeile machen soll und die gut genug für die erste Seite ist. Doch worüber lohnt es sich zu schreiben? Sie hat eine wahnwitzige Idee und sucht Smith und Wesson auf. In beiden sieht sie einen guten Erfinder und jemanden, der ausreichend Kenntnisse des Flusses hat und ein „Fischer“ ist. Sie will vor zahlendem Publikum in einem Fass die Niagarafälle runterschwimmen. Ob die drei aus dieser Geschichte als Helden hervorgehen, soll noch nicht verraten werden. Das Büchlein hat irgendwie seinen Charme und lebt gerade durch die burschikosen Figuren.

Ein kleiner, verrückter Text, der im wahrsten Sinne ein großes Fass aufmacht und mit Witz und Charme zu unterhalten weiß. Erschreckend ist, dass es sie wirklich gab, jene Frau, Anna Edson Taylor, die eine Befahrung der Niagarafälle in einem Fass überlebt hat, aber von einer Nachahmung dringend abgeraten hat. Auch der Plan unserer Helden geht nicht wirklich auf und die beiden Herren nähern sich in Mexiko letztendlich irgendwie doch den Waffenherstellern.

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