Anselm Oelze: „Wallace“

Anselm Oelze Wallace Schöffling

Ein Roman über die natürliche Auslese. Wir kennen alle die Theorie zur Entstehung der Arten. Der Urheber dieser naturwissenschaftlichen Erkenntnis wird stets Charles Darwin zugeschrieben. Doch lebte in dessen Schatten der Naturforscher Alfred Russel Wallace. Hat Wallace zeitgleich den Mechanismus der natürlichen Selektion entdeckt? Ein Roman, der diesen Forschungsreisenden wieder aufleben lässt. Beim Lesen und durch die Art und Weise, wie der Stoff behandelt und erzählt wird, drängt sich der Vergleich zu „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann auf.

Der Roman beginnt im Jahr 1858 auf einer kleinen Insel der Molukken, wo der britische Forscher Wallace, kurz der Bärtige genannt, das Postschiff erwartet. Als dieses in den Hafen einläuft und gelöscht wird, lässt er Kisten mit seinen Forschungsergebnissen verschiffen und erhält eine Nachricht. Dies ist die Ausgangssituation, der Prolog, der erst im Epilog seine Fortsetzung findet.

Zwischenzeitlich lernen wir den fiktiven Protagonisten Albrecht Bromberg kennen, der in unserer Gegenwart als Nachtwächter eines Museums für Natur- und Menschheitsgeschichte tätig ist. In der Bibliothek räumt er die Liegenschaften der Besucher weg und sortiert die Bücher wieder ein. Als er sich um die Werke kümmern möchte, stolpert er ungeschickt und sein Blick fällt auf ein Foto von zwei bärtigen Männern. Doch räumt er vorerst pflichtbewusst alles wieder ein und weg.

Der Roman springt nun zwischen diesen Erzählsträngen und Zeiten. Abwechselnd wird die Geschichte aus dem neunzehnten Jahrhundert und unserer Gegenwart erzählt. Im Vordergrund geht es um diese zwei Männer, Bromberg und Wallace, die jeweils auf ihre eigene Entdeckungsreise gehen werden. Die Handlung um Wallace beginnt auf einem Kanu. Er ist mit einem indianischen Scout unterwegs und damit beschäftigt, sich eines Sandflohs, der sich unter seinem Zehennagel eingenistet hat, zu entledigen. Die abenteuerliche Handlung geht dann mit einem Alligator weiter. Dies ist der Anfang eines klugen Wissenschafts- und Abenteuerromans. In der Gegenwart beginnt sich Bromberg, für den im Schatten stehenden Naturforscher Alfred Wallace zu interessieren. Denn im Frühjahr 1858 hat Wallace einen Aufsatz über den Ursprung der Arten nach Südengland verschickt. Der Empfänger Charles Darwin ist es aber, der mit seiner Publikation und Theorie großen Bekanntheitsgrad erreichte. Bromberg fasst den Entschluss, diese Schieflage der wissenschaftlichen Geschichte ins rechte Licht zu rücken.

Der Roman bietet vieles. Ein wissenswerter und kluger Abenteuerroman, der schön und klassisch erzählt wird. Dieser Debütroman ist wunderbar geschrieben und bildet und unterhält ungemein. Doch hat man ab und zu das Gefühl, der Autor konnte sich nicht rechtzeitig von seinem Manuskript lösen und hat es teilweise zu oft überarbeitet und dem Text damit etwas von seiner ursprünglichen Seele genommen. Dennoch hat der Autor sich einiges vorgenommen und wird diesem auch sehr gerecht. Eine lesenswerte und lohnenswerte Lektüre, die durch Sprachgefühl, Humor und Wissen glänzt.

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