
Ein kleines Buch mit enormer Wirkung. Ein kurzweiliger, schöner und melancholischer Text voller Lebenskraft. Das Buch lebt neben der Wortkunst von den Illustrationen von Halina Kirschner.
Nach „Weihnachten in Prag“, ebenfalls eine Miniatur und ein Leseschatz, reisen wir mit den Figuren nach Triest. Natürlich ist es eine Reise mit der Bahn, wie könnte es bei Jaroslav Rudiš auch anders sein? Es ist eine Reise in Erinnerungen. Ein Erinnern für die Charaktere und eine Wiederkehr innerhalb der Literatur, denn es spielt in Winterbergs Welt. Diese kurze Geschichte ist ein Nebengleis des großen Romans „Winterbergs letzte Reise“. Doch ist keine Vorkenntnis nötig, um dieses kunstvolle Kurzwerk gänzlich verstehen und genießen zu können. Doch lädt das Büchlein dazu ein, sich spätestens jetzt in diese Romanwelt zu vertiefen.
Herr Winterberg sitzt mit Herrn Kraus im „Heidelberger Krug“ in Berlin. Vor ihnen stehen die frisch gezapften Biere und ein antiquierter Baedeker, der Herrn Winterbergs Wissen über Historisches und Touristisches untermauert. Das schöne Wetter draußen stimmt Herrn Winterberg traurig. Es war seine Frau, die sonniges Wetter bevorzugte. Er liebt es regnerisch, denn dann hat er bei seinen Erkundungen die Wege meist für sich. Das Ausblenden des Schönen erklärt sich auch in Folge seiner Erzählung, denn seine Frau war schwer krank, als er ihr eine Freude bereiten wollte und dies ist der Kern seiner Erzählung, die er mit feinen Ausschweifungen schmückt.
Der eiserne Vorhang beherrscht noch die Landschaften Europas und er reist mit seiner Frau mit dem Zug in den sonnigen Süden. Die Reise geht über die Alpen, von Berlin über München, Innsbruck, Verona nach Triest. Dabei wird Herrn Winterberg, als Bahnfahrer, auch die historische Bedeutung der Alpenüberquerung auf den Gleisen bewusst. Die Bahnhöfe, hier besonders „Trieste Centrale“ sind Orte der Ankunft und der Abfahrt. Diese zentralen Gebäude sind Sammelpunkte diverser Geschichten. Die Eisenbahn als Verbindungsgleis, die alles überwindet, die Alpen, die Ländergrenzen, nur nicht den Tod.
Alles was Herr Winterberg erzählt ist spannend, schön und wie er selbst zu sagen pflegt: „Traurig, traurig …“ Triest mit seiner Schönheit kann erahnt werden. Herr Winterberg ist besorgt, dass sein Zuhörer, Herr Kraus, zuweilen nicht bei der Sache ist und ruft ihn aus seinen Gedanken. Auch vermischen sich Wahrnehmungen. Denn im Barmann im „Heidelberger Krug“ in Berlin, meint er Pola zu erkennen, der das beste Bier zapfte, doch ist dieser auch bereits schon verstorben, wie Herr Kraus öfters zum Besten gibt.
Eine Begegnung, eine Reise und eine Erzählung, die wunderschön nachdenklich stimmt und sehr berührt.
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