Daniela Gerlach: „Was das Meer nicht will“

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„Alles, was das Meer nicht haben will, spuckt es wieder aus.“

In dem Roman von Daniela Gerlach geht es um die Enge innerhalb einer Gemeinschaft. Um die Einsamkeit, die man erleben kann, auch wenn man nicht alleine ist. Zuviel Nähe kann für einige störend und wohl auch tödlich sein…

Daniela Gerlach hat Neuere deutsche Literatur, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in München studiert. Jetzt arbeitet sie als freie Journalistin, Werbetexterin und als Ghostwriter. Seit 1997 ist sie gleich ihren Figuren nach Spanien gezogen und ist heute freie Autorin, die zwischen Mittelmeer und dem Ruhrgebiet pendelt.

Das Buch zeigt tiefgründig das Innenleben einer Frau, die sich in einer Hass-Liebe zu ihrem Ehemann Georg gefangen fühlt. Sie durchlebt ein emotionales Wechselspiel, denn sie ist von zwei sie liebenden Menschen unter ein familiäres Rad gekommen. Es sind ihr Mann und ihre Mutter, die ihren Einfluss auf sie und ihre Seelenwelt ausüben.

Anfänglich ist ihre Ehe mit Georg harmonisch, verkommt dann aber in der Routine des Alltags und wird aus ihrer Sicht eintönig. Auch der alljährliche Urlaub in Ihrem Sommerhaus in Spanien bietet wenig Abwechslung. Erst als Georg ihr das Schnorcheln schmackhaft machen kann, kommt neues Leben in sie. Sie lernt im Meer eine neue Welt für sich kennen, in der sie für sich ist und einfach sie selbst sein kann. Das Meer wird ein Ort der Freiheit für sie. Ferner lernt sie durch den Einkauf einer passenden Taucherbrille den Nachbarn Karl besser kennen, der einen Laden für Tauch- und Angelmaterial in der Ortschaft führt. Karl ist das genaue Gegenteil von Georg, der alles kontrollieren muss. Karl dagegen ist locker, unkontrolliert und lebt seine Freiheit, neigt aber zum Trinken.

Die Enge und der Streit sind vorprogrammiert, als ihre Mutter wie jedes Jahr auch nach Spanien anreist, um dort zwei Wochen mit ihrer Tochter zu verbringen. Eine tragische Konstellation, denn nun wird sie von ihrer Mutter und ihrem Ehemann immer mehr eingeengt und sie beginnt eine Affäre mit dem mysteriösen Nachbarn. Schließlich eskaliert die aufgestaute Spannung…

Ein Büchlein, das man ziemlich schnell konsumieren kann. Es hat mir persönlich einen für mich ziemlich fremden Umgang von Ehemenschen und sich Liebenden aufgezeigt. Ich habe teils mit Staunen diese Konflikte verfolgt. Ab und zu sind es leider kleine Sätze, die meinen Lesefluß unterbrochen haben, weil sie nach meinem Geschmack unpassend und etwas plump sind: „Georg fährt, er ist der Gefährte.“ Aber dies ist ein kleiner Minuspunkt in diesem beklemmenden Beziehungsroman. Ein Werk über die Verflechtungen von echter und falscher Liebe.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Daniela Gerlach: „Was das Meer nicht will“

  1. Mir kam einiges am Umgang der Menschen untereinander nur zu bekannt vor. Es ist auf jeden Fall ein nachdenklich machendes Buch.

    • Hallo Beatrix, spannend, denn gerade dieser Umgang ist mir etwas fremd. Auch wenn ich viel mit Menschen zu tun habe und immer wieder über „uns“, den Menschen, ins Staunen geraten kann, war mir diese Situation neu… Also wirklich ein anregendes Buch. Danke und viele Grüße!

      • Hallo Hauke, ich will es einmal so formulieren: Wenn dir dieser Umgang in deinem Leben erspart blieb, hast du auch nichts verpasst. Darauf hätte ich auch gerne verzichten können.

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