Jón Kalman Stefánsson: „Fische haben keine Beine“

Piper Fische haben keine Beine

Das Buch „Fische haben keine Beine“ von Jón Kalman Stefánsson ist ein sprachlich und inhaltlich großer Roman, der aus der Sicht eines namenlosen Erzählers über mehrere Generationen erzählt.
Die Charaktere und deren einzelne Schicksale ergeben den einzelnen Ton und zusammen spielen sie eine progressive Melodie, die voller Leben ist.
Wir landen mit dem Text in Keflavik, einer Hafenstadt in Südwestisland, wo das bekannteste Bauwerk, der Flughafenhangar auf einer alten Luftwaffenbasis, ist.

„In Keflavik gibt es drei Himmelsrichtungen: den Wind, das Meer und die Ewigkeit.“

Wie es scheint ist Keflavik ein karger, unwirtschaftlicher Ort, in dem der Erzähler und Ari als Jugendliche lebten und diesen als Erwachsene wieder verließen. In der Gegenwart kommen sie zurück in den Ort, der ein Vergessen symbolisiert. Das Buch reflektiert die Ereignisse in Aris Familie von Beginn des Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Ein gefüllter Familienroman mit vielen verwobenen Geschichten.

Ari kehrt in seine Heimatstadt zurück, weil sein Vater im Sterben liegt. In seinem Gepäck ist eine Ehrenurkunde seines Großvaters, dem Kapitän, Fischer und Schiffseigner Oddur Jónsson. Ari hatte damals seine Frau einfach sitzengelassen. Morgens beim Frühstücken verschwand er einfach und lebte eine Weile in Kopenhagen, weil in ihm etwas Unausgesprochenes rumorte. Er arbeitete dort als Lektor und hatte gerade einen sehr erfolgreichen Ratgeber über den Sinn des Lebens redigiert.
Doch der Tod seines Vaters zieht ihn zurück nach Island und damit zurück in die Vergangenheit seiner Familie. Ari ist Autor und Verleger, er hat es aber gelernt seiner eigenen Geschichte und den alten und neuen Fragen stets aus den Weg zu gehen.

Seine Großeltern hatten ein tragisches Leben und lebten in und von der rauen, kargen isländischen Natur. Es sind alltägliche Geschichten von Menschen auf der Suche nach Glück und Liebe. Es sind Geschichten voller Schmerz, Verlust und der Suche nach sich selbst.
Ari erinnert sich anhand eines alten Fotos und er durchlebt erneut seine Jugend im schwarzen Loch: Keflavik. Dort lernte er die Soldaten, die Rockmusik und die Mädchen kennen. Ein Mädchen und ihr Schicksal werden Ari sein ganzes Leben begleiten.

Ein Roman, der gleich großer Musik erst als Ganzes verstanden werden kann. Ein bildreicher, poetischer und schöner Text, der an den Grundfragen rüttelt. Ein realistischer und sehr gut geschriebener Familienroman mit einer feinen, melancholischen Stimmung, die aber mit vielen klugen und heiteren Momenten durchwebt wird. Ein Werk voller Denkanregungen über das Leben. Ein Roman, der nicht wie Aris Sachbuch Antworten über den Sinn des Lebens bereithält, sondern eher zum Selbstfinden anregt. Der Weg zum wahren Selbst und die Verantwortung als Einzelperson und in der Gesellschaft.

Zum Buch

5 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

5 Antworten zu “Jón Kalman Stefánsson: „Fische haben keine Beine“

  1. Wie schön – danke für den Tipp! Ich habe „Himmel und Hölle“ so gern gelesen, ist eines meiner „Herzensbücher“ geworden, das ich immer wieder einmal zur Hand nehme. „Fische haben keine Beine“ werde ich mir jetzt mal vornehmen. Viele Grüße, Sonja

  2. Pingback: Sonntagsleserin Mai 2015 | buchpost

  3. serendipity3012

    Ich habe den Roman auch vor ein paar Wochen gelesen und war begeistert. Bin schon gespannt auf mehr von diesem Autor.

  4. schifferw

    Hat dies auf Wortspiele: Ein literarischer Blog rebloggt und kommentierte:
    Gelesen, natürlich – aber nie besprochen! Doch stimme ich dieser Besprechung im „leseschatz“ sehr gerne zu! Einmal mehr ein großen Roman eines großartigen Schriftstellers!

  5. Pingback: Jón Kalman Stefánsson – Fische haben keine Beine – letusreadsomebooks

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