Yamen Manai: „Die Serenaden des Ibrahim Santos“

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Ein Roman über Menschlichkeit und Freiheit. Die Handlung spielt in einem kleinen Dorf in der Karibik. Die Menschen leben dort vom Zuckerrohr. Der Rum, der dort destilliert wird ist dank der Lage ein unglaublich sinnliches Getränk, das die Liebe zum Land und der Natur verkörpert. Die Landbevölkerung lebt abgeschieden und bekommt von der Politik des Landes wenig mit. So haben die Menschen dort auch die Revolution, d.h. den Putsch verschlafen. Da der Rum als einer der besten des Landes gilt, rückt das Dorf in das Zentrum der Wahrnehmung der Minister und wird zum Drehpunkt der nächsten Revolution. Ein Aufstand gegen die Machtgier des Diktators und seiner Handlanger.

„Revolution? Was denn für eine Revolution?“ fragte Alfonso Bolivar. „Davon weiß ich nichts“, sagte der alte Nelson und zog an seiner Zigarre. „Aber scheint so, als habe sie stattgefunden.“

Unter der heißen Sonne der Karibik wird das Dorf Santa Clara aus einer Partylaune heraus gegründet. Hier versiegt der Rum nie. Die Erde ist so fruchtbar und die altmodische Destillerie verzaubert das geerntete Zuckerrohr in einen Rum, der zum bekanntesten des Landes wird. Die Dorfbevölkerung hält fest an alten Mythen und Nachrichten werden eher aus dem Kaffeesatz gelesen. Das Wetter wird anhand der Serenaden des Ibrahim Santos vorherbestimmt. Ibrahim Santos hat diese märchenhafte Gabe die bereits seine Vorgänger hatten. Der Blick in die Zukunft mit Hilfe von Lyrik oder Musik.

Als die Politik des Landes auf den Rum aufmerksam wird, wollen alle aus der Rarität Profit schlagen. Als Abgesandte das Dorf erreichen, finden sie dort noch alles so vor, wie es vor der vermeintlichen Befreiung des Landes gültig war. Die alten Flaggen und Bilder zieren die Häuser, wobei schon längst eine Revolution das Land von der Diktatur befreit haben soll. Das Dorf wird gänzlich umgewandelt. Alles wird umgehängt, umbenannt und schnell die neue Hymne des Landes eingeprobt, damit das Dorf auch vorzeigbar wird. Der Einzug der Moderne wird nur von der Dorfbevölkerung akzeptiert, als der Bürgermeister jedem eines seiner Schweine überlässt. Der Agraringenieur Joaquin Calderon soll den Einzug der Modernisierung zum Erfolg führen. Doch als er Gift gegen Unkraut und Dünger anwenden möchte, wächst das Misstrauen der Bauern. Als auch noch das Wetter durch ein Barometer gemessen werden soll, wächst der Widerstand. Die Führer des Landes benennen Calderon als neuen Bürgermeister von Santa Clara. Seine ersten Gesetze beim Machtantritt treffen die Dorfbevölkerung hart. Man darf sich nicht mehr versammeln, die Destillerie wird gegen eine neue ausgetauscht und die Landwirtschaft soll sich nach den neuen Methoden richten. Auch das Musizieren wird verboten.

Durch diese Industrialisierung und Enteignungen der Ländereien spitzt sich das Drama zu und es kommt zu ersten Unruhen, die auch ihre Opfer fordern. Die Menschen besinnen sich ihres Rechts auf Freiheit und es kommt zu einer erneuten Revolution, denn die vorherige war lediglich ein Putsch, der nur die Machtverhältnisse, nicht aber die Umstände geändert hatte.

Der Roman wurde am Vorabend des arabischen Frühlings vom tunesischen Autor Yaman Manai geschrieben. Der Autor fühlte sich durch eine Reise durch Kuba zu diesem Roman inspiriert, als er durch ein Dorf kam, in dem absolut keine Propaganda (Plakate, Banner, Parolen) zu sehen oder hören war. Er verlegte deshalb seine Handlung an einen unbestimmten Ort in der Karibik, weil er die Zensur in Tunesien fürchtete. Sein Roman war fertig, als der Umbruch in Tunesien kam. Darauf bezieht sich sein Vorwort. Ein feiner Leseschatz, der von der Verlegerin, Bettina Deininger, aus dem Französischen übersetzt wurde.

Dieser Roman ist märchenhaft und eine Satire auf die Diktatur und Industrialisierung.

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