Christina Nichol: „Im Himmel gibt es Coca-Cola“

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Im Himmel gibt es für die Toten Coca-Cola. Also selbst das Ableben wird durch Werbeträger und zuckersüße Hoffnungen geprägt. Ein Traum, der von der Realität ablenkt, während man auf die eigentliche normale und alltägliche Versorgung wartet. So auch der eigentliche Titel des Buches: „Waiting for the Electricity“.

Die Handlung spielt 2002 in Georgien. Das Land ist eigentlich frei und der Kommunismus ist fort. Aber was hat sich wirklich für die Menschen geändert? Freie Marktwirtschaft und Demokratie sind noch nicht wirklich in den Köpfen der hier versammelten Charaktere verankert.

Der Held des Romans, Slims Achmed Makaschwili, ein einfacher Mann, der sich an Werte klammert und von Korruption und Kriminalität wenig hält. Es gibt in Georgien wenig Arbeit und somit auch keinen Lohn. Die Arbeit, die man sich in dieser Handlung organisiert, keimt doch öfters in krimineller Energie.
Slims ist ein bescheidener Anwalt beim Seerechtsministerium in Batumi. Er beobachtet die Entwicklung seines Landes und sieht darin keinen positiven, sondern eher einen rückläufigen Trend. Seine Familie und Freunde leben am Schwarzen Meer und besingen und feiern ihr Land, wobei alle eigentlich unzufrieden sind. Nahrungsmittel kann man sich beschaffen, aber am Restlichen fehlt es überall. Dauernd fällt der Strom aus, die Versorgung ist ungewiss und man versucht, bei noch funktionierenden Leitungen von Nachbarn etwas Energie abzuzwacken.

Slims ist entschlossen, seinem rückwärtsgewandten Land zu neuem Aufschwung zu verhelfen. In ihm rumort der amerikanische Traum und er schreibt lange, hingebungsvolle Briefe an Hillary Clinton. In diesen Schreiben formuliert er seinen Wunsch eines modernen Georgien. Clinton ist Schirmherrin eines amerikanischen Programms, das Unternehmer und Unternehmensgründer aus ehemaligen Sowjetländern schulen und fördern möchte. Slims bewirbt sich für diesen Kurs in San Fransisco, der über sechs Wochen gehen soll.
Diese Reise wird für ihn und sein Umfeld einen Wendepunkt darstellen. Denn diese Reise öffnet ihm die Augen über den tatsächlichen Fortschritt und die Seele seiner feierfreudigen Landsleute.

Ein Roman, der länger Luft holt, um sich gänzlich zu entfalten, dann aber durch seine humorvolle Art überzeugt. Man taucht mit viel Witz und Detailverliebtheit in ein fernes Land und seine Menschen ein. Eine Lektüre, die als schelmischer kultureller Austausch gelesen werden kann.
Man liest temporeich aber auch stutzig diesen ausgedehnten Bericht eines erdachten Protagonisten, der wohl ein satirisches, aber zu Teilen auch realistisches Länderportrait darstellt.

Ein unwirkliche Satire oder eine satirische Wirklichkeit? Jedenfalls ist der Roman voller Ideenreichtum und trockenem Sprachwitz.

Zum Buch

3 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

3 Antworten zu “Christina Nichol: „Im Himmel gibt es Coca-Cola“

  1. Ich sitze gerade auf der Buchmesse und lese gerade deine tolle Rezension. Dieses Buch werde ich definitiv lesen.

    • Das ist schon irgendwie schräg, sehr nett, aber kurios… Du sitzt von Büchern, Verlagen und Informationen überflutet auf der Messe und liest meinen Leseeindruck! Dafür vielen Dank und weiterhin viel Spaß auf der Messe und bald mit dem Buch!
      Liebe Grüße, Hauke

      • Du bist nicht dort? Nun ich finde die Messe in Leipzig gut, aber da ich knapp über zwei Tage bin und zwischendurch immer mal Zeit habe, kann ich einmal genießen meine Lieblingsblogs zu lesen und generell liebe ich die Stille mehr als den Trubel. Danke. Ich bin gespannt auf das Buch.

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