Anne von Canal &  Isabel Bogdan (Hrsg.): „Irgendwo ins grüne Meer“  

Geschichten von Inseln

Cover

Der Traum vom Inseldasein beinhaltet oft eine Sehnsucht nach etwas mehr Einfachheit, nach Abgeschiedenheit und nach natürlicher Schönheit. Vielen ist die Sehnsucht nach einer Insel vertraut. Der Wunsch nach einem Inselurlaub oder einem gänzlichen Leben auf einer Insel ist wohl weitverbreitet. Alle Wünsche sind wie ein Geschmack. Also ist es ein Hunger auf etwas, das wir bereits kennen. Unsere Wünsche sind in uns angelegte Möglichkeiten. Jeder von uns hat in sich diesen Ort, diese Insel.

Die Autoren dieser Geschichten wurden von den Herausgebern vor folgende Aufgabe gestellt. „Schreiben Sie uns bitte eine Inselgeschichte, sie kann von einer real existierenden, einer erfunden oder einer inneren Insel handeln.“

In dieser Anthologie sind 16 Geschichten, in denen die Autorinnen und Autoren ihre Vorstellung von Inseln zu Papier gebracht haben. Der Titel entstammt einem Gedicht von James Krüss:

Irgendwo ins grüne Meer

hat ein Gott mit leichtem Pinsel

lächelnd, wie von ungefähr,

einen Fleck getupft: Die Insel.

James Krüss

Das Gedicht endet mit dem Aufruf: „Liebt die Welt und liebt das Leben!“ Dies ist ebenfalls einer der roten Fäden, die sich durch diese Originalerzählungen ziehen. Ich habe alle Geschichten gerne gelesen. Einige waren humorvoll, andere nachdenklich oder skurril.

Kein Text hat mich an trübe Seeromantik erinnert oder mit kitschigen Strandmomenten verführen wollen. Die Texte laden ein, sich kurzweilig oder länger mit der jeweiligen Inselsituation auseinanderzusetzen.

Das Buch beinhaltet für mich zu Teilen nun bleibende Erinnerungen. Sei es, weil ich auch ein Küstenmensch bin, der Inseln liebt oder weil die Protagonisten oder die Handlung mich aufs Eiland verbannten. Wir begegnen unter anderem einer schwangeren Frau, die nach Sizilien reist. Als Flucht oder als Suche. In einer anderen Geschichte ist es eine Badeinsel in einem Hallenbad, die den älteren Menschen in der Erzählung einen Ruheort zum einfach Dahintreiben beschert. Eine Geschichte nimmt einen zusammen mit einem ominösen „Or“ auf eine Reise zur fünftgrößten Insel Norwegens: Kvaløya. Ferner gibt es erneut ein Treffen mit einem Pfau. (Wohl eine kleine Anspielung auf die Mitherausgeberin Isabel Bogdan, die mit ihrem Pfau gerade in der Welt herumfliegt) Doch ist der „Pfau 117“, geschrieben von Zoë Beck, hier ein Junge, der lernt, dass seine Insel nicht schwimmen kann. Er ist der Menschheit überdrüssig geworden und er versucht mit seinen gefiederten Freunden, deren Anzahl noch ungewiss ist, seine Insel zu finden. Die Insel von Isabel Bogdan ist ein Sportplatz. Läufer machen Strecke, um ihre Gedanken zu sortieren oder um Klarheit zu finden. Manche aber auch einfach, um eine Stille zu finden, die hinter den Gedanken ist.  Die Mitherausgeberin, Anne von Canal, die mich mit ihrem Debutroman „Der Grund“ sehr begeistert hat, schreibt über eine Frau, die nun alleine den Hof bewirtschaftet und gute Nachrichten per Post zugestellt bekommt. Postkarten ihrer Schwester, die diese von Inseln der ganzen Welt versendet. Aber die Protagonistin ist auf ihrem Hof gestrandet und die „guten Nachrichten“ werden dann, gleich der Machart ihres Vaters, unleserlich gemacht…

Eine Anthologie, die über den Strandkorb hinaus sehr gut funktioniert. Man gerät beim Lesen ins Grübeln und Schmunzeln. Gleich dem „Atlas der abgelegenen Inseln“ von Judith Schalansky geht es um Orte, die schwer zu erreichen sind. Dies ist heute fast nicht mehr vorstellbar. Was ist an Inseln so anziehend? Dies fragt auch Tex Rubinowitz in seinem Beitrag, der ebenfalls auf Schalanskys Atlas verweist.

Das Buch beinhaltet meine Liebe zum Meer, zu Menschen und (ihren) Inseln und sogar eine Verneigung von Harry Rowohlt an einen meiner Lieblingstexte: „Auf Schwimmen-zwei-Vögel“….

Es gibt noch viel mehr Eindrücke, doch will ich nicht alles verraten und den Leser diese Inseln selbst entdecken lassen…

Die Autoren sind: Thommie Bayer, Zoe Beck, Isabel Bogdan, Maximilian Buddenbohm, Anne von Canal, Heikko Deutschmann, Verena Güntner, Uwe Kolbe, Susann Pasztor, Thomas Peltzinger, Harry Rowohlt, Tex Rubinowitz, Frank Schulz, Katrin Seddig, Clemens Setz und Pia Ziefle.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

2 Antworten zu “Anne von Canal &  Isabel Bogdan (Hrsg.): „Irgendwo ins grüne Meer“  

  1. Oh, was für ein Schatz. Geschichten von Inseln und me(e)hr…
    – ich bin begeistert. So viele bekannte Autoren. Welch ein Glück, dass ich deine wunderbaren Zeilen gelesen habe.

    LG,
    Tanja

    • Liebe Tanja,
      vielen Dank! Ich wünsche Dir eine schöne Reise zu den vielen Inseln – eventuell ist ja auch für Dich ein Schatz dabei 😉 Herzliche Grüße, Hauke

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