Mark Thompson: „El Greco und ich“

Mark Thompson El Greco und ich Mare

Es ist der Sommer 1968, in dem sich für den Erzähler die Erkenntnis einstellt, dass die jugendliche Unbekümmertheit mit dem Erwachsenwerden versandet. Immer wieder steht der Protagonist, den alle nur mit dem Kürzel J.J. ansprechen, im Staub. Staub, wie Rauch aus einem Gewehrlauf, wie feiner rieselnder Sand oder der staubige Dreck um die gerne von den Helden aufgesuchte und stillgelegte Konservenfabrik. Dieser Staub ist es, der sich langsam im Bewusstsein des Erzählers niederlässt und eine Ernüchterung mit sich bringt. Staub ist auch der Titel der Originalausgabe. Es ist eine Geschichte über eine große Freundschaft. Der Roman hat eine herzliche Wärme, einen feinen Humor  und verbirgt eine große Trauer.

Der Roman spielt in New Jersey. J.J. und sein bester Freund El Greco, eigentlich Tony Papadakis, sind zehn Jahre alt. Sie erleben die Zeit noch voller jugendlichem Leichtsinn und sind Träumer, die mit geklauten Zigaretten am Wasser sitzen und sich die Welt erklären. Sie leben in einer Zeit, in der der Rock einen Aufschrei gegen den Krieg in Vietnam darstellt, einen Aufruf gegen das Spießertum und die Hippies sich für die Liebe als Antwort auf alles entscheiden. El Greco ist sich sicher, dass das Leben für jeden mindestens eine große Prüfung bereithält. Dies sagt er mit seiner jugendlichen Weltsicht, ohne zu ahnen, wie weit sich dies in beider Leben bewahrheiten wird.

Es beginnt mit einem großen Feuer. Ein Feuer, dass J.J. unachtsam entfacht hat. Doch entkommen die Jungs einer Bestrafung, denn sie mogeln sich unter die Schaulustigen und müssen sich vorerst nicht, wie noch öfters, der eigentlichen Verantwortung stellen. El Greco träumt vom Pazifik, eines Tages möchte er die großen Gewässer sehen, d.h. erleben. Doch sind dies noch die Wünsche eines Kindes, das angewiesen ist auf seine Eltern. Mrs. Papandakis ist für J.J. eine geheimnisvolle, erotische Frau, die eine hingebungsvolle, aber auch eine schwierige Mutter sein kann. Mr. Papandakis ist ein Mann, der gerne das familiäre Leben verlässt, um sich dem Trinken, dem Glücksspiel und den leichten Frauen hinzugeben. Später wird er auch gänzlich aus dem Leben von Tony verschwinden. J.J.s Familie besteht aus der Mutter, die in sinnierende Gedankenlöcher fällt und die Umgebung ab und an zu vergessen scheint. Die Schwester ist bereits achtzehn und selten zuhause. Dann ist da noch der ältere Bruder, der sehr anstrengend ist und den J.J. daher lediglich Adolf nennt. Zum Geburtstag bekommt J.J. eine Country-Platte vom Vater, der nichts von der modernen Musik hält. Dabei sind die großen Helden von J.J. und El Greco die Stones und nichts mehr als die neue LP von diesen hatte sich J.J. gewünscht. Da er nun vom Vater etwas bekommen hat, das er so sehr hasst, findet er erneut die Zuflucht bei seinem besten Freund. Die Freundschaft zwischen J.J. und El Greco ist ihre Beständigkeit und sie sind, nicht nur durch die durchgeführte Blutsbrüderschaft, unzertrennlich.

Dann kommt überraschend ein Anruf der Familie Papandakis. Tony, dem es vorher schon nicht so gut ging, liegt mit Leukämie in der Klinik. J.J. will sofort seinen Freund aufsuchen und es wird diese Krankheit sein, die ihn erkennen lässt, dass er nun das Kindliche ablegen muss, um seinem Freund eine Stütze zu sein. Seine eigene Unterstützung in dieser schweren Zeit wird für J.J. ein Nachbar, der gradlinig und ehrlich seine Fragen und Gefühle erklären und beantworten kann. Doch scheint El Greco die Krankheit durch den zugetragenen Lebenswillen bekämpfen zu können und er darf die Klinik verlassen. Sie machen nun mit J.J.s Vater eine Reise in den Süden. Währen dieses Roadtrips entlang der Küste erleben die Jungs die Facetten Amerikas. Rassenunruhen, Fremdenhass und ein Mord wird die eigentliche Reise trüben.

„El Greco“ beschreibt die Klärung der Sicht auf eine sich damals wandelnde Welt. Es sind die kleinen und großen Prüfungen im Leben, die das Schicksal erschüttern lassen und dadurch Staub aufwirbeln und die umliegenden Schicksale berühren und miteinbeziehen können. Ein Roman über das Erwachsenwerden mit tragischen Wendungen und komischen Situationen. Ein zu Herzen gehender und trauriger Text, der etwas an die Werke von John Green und Wolfgang Herrndorf erinnert.

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