Charlotte Perkins Gilman: „Die gelbe Tapete“

Gilman Die gelbe Tapet Dörlemann

Eine Erzählung, die durch die Stimmung an die Werke von Edgar Allan Poe und an den leider in Vergessenheit geratenen Roman „Vier Tage währt die Nacht“ von Dorothea S. Baltenstein erinnert. Diese autobiografisch angehauchte Kurzgeschichte erzählt von einer depressiven jungen Frau, die mit ihrem Mann, einem Arzt, zur Erholung in ein Sommerhaus zieht, um dort zur Ruhe zu kommen. Doch gerade dort verfällt sie immer mehr dem Wahn und findet nicht ihre wahre Freiheit.

Der Text wurde erstmals 1892 im „New England Magazine“ veröffentlicht. Das Buch wird heute noch an den amerikanischen Schulen gelesen, denn es gilt als wichtigstes Werk des frühen amerikanischen Feminismus.

Zu lesen sind die Tagebucheinträge einer jungen Frau und Mutter. Das Schreiben macht sie heimlich und verbirgt dies auch vor ihrem Mann. Die Tagebucheinträge beginnen nach der Geburt ihres Kindes und berichten von der Behandlung ihrer sogenannten hysterischen Tendenzen. Ihr Mann, der Arzt ist, will sie von physischer und psychischer Belastung fernhalten und zieht mit ihr in ein Landhaus. Das Haus scheint bezaubernd zu sein, hat aber auf die Frau die Wirkung eines Geisterhauses. Sie bekommt im oberen Stock ein Zimmer zugewiesen. Die Fenster sind vergittert, das Bett am Boden fixiert und der Boden leicht verkratzt. Auch die Tapete, die sie abscheulich findet, zeigt Risse. Besonders die Farbe und das Muster ekeln sie regelrecht an und ziehen sie in ihren Bann. Ab sofort sind es die Tapete und ihr Schreiben darüber, die ihr die täglichen Reize während der Zeit im Sommerhaus liefern. Sie nimmt das Muster der Tapete als lebendig wahr. Es ist keine Symmetrie, sondern etwas Bewegtes in den Linien und Kurven. Besonders in den Dämmerstunden bricht etwas Unterschwelliges aus der Tapete heraus in die Realität der Frau. Etwas lebt hinter der Tapete, eine Frau ist hinter dem Muster eingesperrt.

Eine wichtige und wunderbare Ausgabe, die anregend, verstörend und nachdenklich macht. Fast schon Pflichtlektüre. Diese sehr gelungene Ausgabe gehört gelesen und sollte auch im hiesigen Schulunterricht behandelt und diskutiert werden. Die Erzählung wurde großartig von Christian Detoux aus dem Englischen übersetzt und der Verlag stellt in diesem zweisprachigen Buch den originalen Text der deutschen Übersetzung gegenüber.

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