Ulrike Draesner: „Kanalschwimmer“

Ulrike Draesner Kanalschwimmer mare

Ein poetischer Roman, der in vielerlei Hinsicht einige Grenzen überwindet. Ein Buch über einen Mann, der einen langersehnten Traum wahr werden lässt. Er wollte einmal im Leben durch den Ärmelkanal schwimmen. Dies macht er nun, teils aus Trotz, als Hoffnungsschimmer, als Sehnsucht und als Befreiung. Dabei geht der Blick auch stets zurück. Warum und was treibt ihn an? Das Schwimmen wird zu einer Grenzerfahrung.

Charles ist Anfang sechzig und seine Frau Maude beschließt, dass ein weiterer Mann Platz in ihrem Leben hat. Daraus erwächst erneut Charles Wunsch, jetzt auch einen seiner Lebensträume zu verwirklichen. Am Abend vor seinem Start beginnt auch seine gedankliche Reise zurück. Sein Schwimmen wird begleitet von einem Beiboot, von dem aus er regelmäßig gefüttert wird und dass ihn auch, sofern er das andere Ufer und Land erreicht hat, zurückbringen wird. So wird sein stundenlanges Schwimmen durch trübes Wasser ein Erhellen seiner Gedankenwelt. Er wirft Rückblicke auf seine Beziehung und Ehe, die sich nun nach vielen Jahren zu verändern scheint.

Alles wirkt anfänglich etwas ausufernd, doch kristallisiert sich daraus eine enorme Handlung und man wird mit den Protagonisten durch die Gezeiten getragen. Es ist eine Beziehungsgeschichte, aber im Vordergrund steht die Handlung des Schwimmens. Doch auch dies ist Metapher. Der Wunsch, etwas zu erreichen. Durch das Erzwingen dieses unglaublichen Schwimmerlebnisses wird sich der Held verändern. Doch kann man dies selten allein. Es sind Menschen nötig, die einen mit Nahrung versorgen und die Wegweiser sein können. Letztendlich sind andere Menschen immer in der Nähe, um Schutz, Halt und Rettung zu geben. Der innere Kampf wird immer deutlicher. Ist sein Traum, der körperlich viel verlangt, auch tatsächlich durchzustehen? Schafft er es, das Ziel zu erreichen?

Ein Buch, das wie sein beschriebenes Element mäandert und zeigt, dass auch die Zeit und das Leben niemals geradeaus verlaufen.

Ein Roman, der beeindruckt und die Grenzerfahrungen erlebbar macht. Die Sprache und Bilder sind stimmungsvoll und rhythmisch dem Verlauf der Handlung und der Bewusstwerdung angepasst.

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