Joachim Schnerf: „Wir waren eine gute Erfindung“

Joachim Schnerf Wir waren eine gute Erfindung Kunstmann

Dieser Roman ist alleine dadurch ein Wunder, weil er alle Emotionen beinhaltet und beim Leser weckt. Es ist eine Komödie, bei der man oft Luft holen muss, weil einem der Atem stockt oder man gerührt und traurig doch ins Schmunzeln geraten kann. Es ist ein zartes, wunderbares Buch, das die Geschichte einer jüdischen Familie in Frankreich erzählt, die sich zum Pessachfest trifft. Der Roman thematisiert auch immer wieder die Vertreibung, den Auszug und die Kunst des Überlebens. Beginnend mit dem Auszug aus Ägypten, also der Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei, später der Holocaust und das Überleben, d.h. das Leben neu zu definieren oder zu finden. All dies durchlebt der Protagonist in einer Nacht (so auch der eigentliche Titel: Cette nuit), in der er sich auch vor der Frage wiederfindet, wie er es schaffen soll, seine Familie zusammenzuhalten.

Salomon wacht auf, bleibt aber vorerst liegen. Erneut wird ihm das Alleinsein bewusst. Seine Frau ist vor kurzen verstorben und nun liegt es an ihm die Vorbereitungen für das Pessachfest zu treffen. Eigentlich wollte Sarah bis zu diesem wichtigen Fest durchhalten und ihr Erbe mit den Kindern und Enkeln besprechen. Salomon genießt es, noch im Bett zu liegen und ihre vergangene Gegenwart nachzuspüren. Seine Frau fehlt ihm sehr und er fragt sich, wie er es schaffen soll, die bald anreisende Familie im Zaum zu halten. Bisher war Sarah stets der ruhende und besänftige Pol innerhalb aller großen und kleineren Reibereien. Salomon erinnert sich an viele vergangene Feste und Momente. Jedes Jahr gab es ähnliche Diskussionen und Streitereien. Diverse Absurditäten wurden erlebt und dargeboten. Zwischen den rituellen Geschichten und Liedern wurde zwischen ihren Kindern, die selbst schon Familien haben, oft provoziert und gestritten. Salomon trug auch stets seinen Anteil dazu bei. Er als einer, der Auschwitz überlebt hat, nahm sich die Freiheit immer wieder seine KZ-Witze zu erzählen.

Doch dieses Fest soll anders werden, es gibt in der Familie einiges zu klären, besonders, wie es nun nach Sarahs Tod gelingen soll, die Familie weiterhin zusammenzuhalten. Salomon macht sich seine Gedanken. Er durchdenkt wie er was sagen will und kann. Wie wird es ihm gelingen, angesichts des Verlustes das Leben neu zu gestalten? Während er sich gedanklich sortiert und an der Vergangenheit festhält oder hadert, steht er langsam auf. Als es auch schon an der Tür klingelt …

Ein Roman, der es versteht, sich tief im Leser einzunisten, um ein kleines Gefühlschaos loszutreten. Ein sehr feinfühliger, einfühlsamer, humorvoller und tragischer Text, der von Nicola Denis aus dem Französischen übersetzt wurde.

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