Seraina Kobler: „Regenschatten“

Ein Regenschatten, die vom Wind abgelegene Seite, verursacht im Gebirge Dürren, wenn nicht sogar Wüsten. Dieser Titel ist für das Buch programmgebend. Die Handlung spielt in einer nicht zu fernen Zukunft und hat die Stimmung einer Dystopie. Es geht um Einsam- und Gemeinsamkeit, um eine Zerstörung, aber auch um einen möglichen Neuanfang. Dies im kleinen Kreis, der aber Ringe um uns alle wirft. Die Kapitel geben den Zeitrahmen vor und so schlägt die eigentliche Handlung einen Bogen von einem Morgen bis zu der darauffolgenden Dämmerung, um dann am Ende einen Jahressprung zu machen. Alles steht im Roman miteinander in Bezug. Die Beziehung der Protagonisten, aber auch der Mensch in seinem selbst gemachten Szenario in der Umwelt.

Es ist ein Tag im November und die Stare bleiben weg. Die Zugvögel sind ausgeblieben, aber von der Adria bis zur Ostsee hat es wieder zu blühen begonnen. Der Klimawandel ist weit vorangeschritten und die Erzählerin, Anna, sitzt in einem evakuierten Wohnhaus. Sie ist allein und beobachtet die Umgebung und lauscht den Räumungsarbeiten. Der nahegelegene Wald ist abgebrannt und die Erde glüht weiterhin. Sie reflektiert in der Hitze das Vergangene. Die fiebrige Stimmung und beklemmende Hitze breiten sich auch in ihrem persönlichen Werdegang aus.

Anna und David wollen gemeinsam leben. Doch sie wird schwanger und David ist nicht der Vater. Als Anna, nach Abwägung des richtigen Zeitpunkts, ihm die einmalige sexuelle Entgleisung beichtet, verschwindet David. Sie ist nun allein in einer Welt mit dem Kind, das in ihr wächst. Die Welt, die sie kannte, zerfließt, zerbricht und bröckelt ihr, das heißt uns aus den Händen. Sie muss für sich wichtige Entscheidungen treffen. Zurückblickend wird unter anderem ihre gemeinsame Wanderung erzählt, in der brennende Vögel vom Himmel fielen. Immer dichter werden die Sprache und die Stimmung und es offenbart sich das Drama der letzten Monate, das in die Katastrophe geführt hat.

Die Hitze steigert sich und man liest den Roman fast atemlos. Schatten und Licht, Feuer und Neuanfang bedingen einander. Die Aktion und die Reaktion sind immer aneinander gebunden. Die Menschlichkeit, die Liebe und die Suche nach einem Miteinander und einer Zukunft in einer sich verbrennenden Welt werden durch die flirrende, wabernde und gekonnte Sprache eingefangen und spannend wiedergegeben. Ein Roman , der eine Welt offenbart, die verletzlich ist und in nur wenigen Augenblicken aus den Fugen geraten kann.

Seraina Kobler hat Linguistik, Kulturwissenschaften sowie Literarisches Schreiben studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als Redakteurin bei verschiedenen Zeitungen. Dies ist ihr atmosphärischer Debütroman.

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