„Das Blutbuchenfest“

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Der Titel wurde gerade frisch nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2014. Also habe ich mich schnell mit dem komplexen Werk beschäftigt. 

Schnell hatte ich mich eingelesen in Mosebachs treffende Sprachkonstruktionen und durch die gefeilte, aber nicht aufgesetzte meisterhafte Sprache entwickelt der Roman eine ganz eigene Sogkraft. 

Ivana aus Bosnien ist der Angelpunkt des ganzen Romans, denn sie putzt in Frankfurt für Banker und Bohemiens, Hochstapler und Kreative. Mitten in der Stadt organisiert der kleine Geschäftemacher Rotzoff ein großes Fest unter der Blutbuche in seinem Garten, um mit den Eintrittsgeldern seine Schulden zu bezahlen. Ausgelöst wird ein figurenreicher Tanz um Liebe, Betrug und Eifersucht, bei dem uns ein verbummelter Kunsthistoriker, der umtriebige Planer eines Kongresses über das zerfallende Jugoslawien und der Immobilienhai Breegen begegnen. Und während ihre Kunden feiern, beginnt in Ivanas Heimat der Krieg.  

Bei dem Showdown zum „Blutbuchenfest“ laufen alle Fäden, die Mosebach zuvor in teilweise ironischen Charakterisierungen entworfen hat, zusammen.  Der Ich-Erzähler ist wohl noch eine der sympathischsten Figuren. Sehr detailliert und mit großer Beobachtungsgabe schildert Mosebach das „Gehabe“ schillernder Persönlichkeiten. 

Das dörfliche Leben in Bosnien steht den Ausschweifungen der Frankfurter Gesellschaft gegenüber. Jenseits jeder Schwarz-Weiß-Zeichnung verbindet er die Bosnien-Krise mit dem Leben und Auseinanderbrechen der reichen, schönen und „nutzlosen“ Gesellschaft am Schauplatz der Metropole Frankfurt. 

Das Buch ist abgründig und grotesk, ironisch und sehr literarisch. Wohl nicht ohne Grund wurde „Das Blutbuchenfest“ vom bereits vielfach ausgezeichneten Frankfurter Autoren unter der Leitung von Journalist und Literaturkritiker Hubert Winkels und der siebenköpfigen Jury für den Buchpreis nominiert.

4 Kommentare

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4 Antworten zu “„Das Blutbuchenfest“

  1. Pingback: Die Sonntagsleserin #KW6 | Literaturen

  2. Das Buch interessiert mich wieder sehr, aber mit „Der Mond und das Mädchen“ kam ich gar nicht klar. Herr Mosebach ist eindeutig ein Autor für mich, der mich irgendwie immer wieder anzieht und gleichzeitig abstößt. Kann man das Buch gut lesen?

    • Hallo und vielen Dank für die Rückmeldung. Es ist wohl kein leicht lesbarer „Schmöker“, denn das Buch verlangt vom Leser Konzentration. Aber ich fand gerade die Sprache hatte auf mich eine große Faszination.

  3. Danke für deine spannende Besprechung, ich hatte bisher noch nicht viel Positives über dieses Buch gehört (vor allem auch über seine Sprache), jetzt wandert es wohl doch noch mal auf die Wunschliste. 🙂

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