Jan Christophersen: „Echo“

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Eine leise, nachklingende Geschichte, die mit einem überraschenden Ende daherkommt. Der neue Roman von Jan Christophersen „Echo“.

Der Titel spielt auf den Gitarreneffekt „Echo“ an. Ein künstliches Echo, das einstellbar die Note, die auf der Gitarre angespielt wird, wiederholt. Jede Wiederholung wird etwas leiser als die vorherige.

Ebenso ist der Roman als ein Echo zu sehen. Die Geschichte wird hin und her geworfen und verklingt. Das Buch ist in drei Teilen untergliedert. Es beginnt 1989 auf einem Schulausflug an die polnische Ostsee, auf diesem lernen sich Gesa und der etwas jüngere  Tom näher kennen. Er ist Gitarrist der Schulband, die während der Klassenfahrt-Abschlußfeier ein Konzert geben werden. Angeregt durch die Meereswellen, findet er mit Hilfe seines neuerworbenen Effektgerätes seinen Klang, seinen Sound, den er im Laufe seiner musikalischen Laufbahn perfektionieren und als sein Markenzeichen tragen wird. Später trennen sich die Wege der beiden und doch kreuzen sie sich immer wieder.

Der zweite Teil des Romans spielt 1999. Tom tourt mit seiner Band „Wiltons“ und Gesa lebt mit ihrer Familie in Flensburg, was auch, wenn er mal zu Besuch kommt, seine bescheidene Heimat wird. Das Gartenhäuschen wird sein Zufluchtsort, seine „Toms Hütte“, in der beide zusammen gelernt haben der Musik wirklich zuzuhören. Nicht nebenbei, sondern ganz bewusst, der Seele, der Emotion, die die Geschichte eines Songs erzählen will, zu lauschen. So erleben sie sich in unausgesprochener Stille, in der Musik, die ihre Gefühle und Gedanken trägt.

Durch einen brutalen, zufälligen Übergriff wird das Release-Konzert der eigenen CD und dadurch auch die Band aufgelöst und auf Gesas Hochzeit, auf der Tom als Solo-Künstler seinen Auftritt hat, werden beide und ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.

Der dritte Teil, das letze stille Echo einer Freundschaft, spielt 2004. Am Ende wünscht man sich einen anderen Schluß. So wie man bei einem langen guten Jazz- oder Rocksong mitunter nicht genau weiß, wann der letzte Ton gespielt war, weil das Echo ihn verlängert und noch trägt, aber die Band bereits die Bühne verlassen hat…

Ein sehr einfühlsamer Roman. Mit tiefgründiger Spannung hat Jan Christophersen eine Geschichte über Freundschaft und Seelenverwandschaft geschrieben und erzählt von genutzten und ungenutzten Möglichkeiten. Spielerisch wird das Schwanken zwischen Nähe, Distanz und Harmonie eingefangen und wie ein Echo hin und her geworfen und wie ein lang gespielter Ton auf der Gitarre gehalten wird, bis er still verklingt, wird die Geschichte im Leser dennoch lange nachklingen…

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