Donal Ryan: „Die Sache mit dem Dezember“

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Ein junger Mann, der allein dasteht. Ein Dorf, das nur sein Bestes will. Eine Stimme, die ihn bezaubert. Und ein Geschäft, das alles verändert.

Ein irischer Roman, der ebenso typisch, wie ungewöhnlich zu lesen ist. Die Geschichte ist berührend, tragisch-komisch und wird durch die einfachen, wortkargen Menschen beseelt. Ein Roman, der in einer sehr intensiven und einfühlsamen Sprache geschrieben ist. Die Figuren werden beim Lesen sehr lebendig und haben mich bereichert.

Der Protagonist, John „Johnsey“ Cunliffes, ist ein stiller, etwas wortkarger Mensch, der auf dem Hof seiner Eltern aufwächst. Doch in ihm selber ist es selten still, denn er macht sich über alles Gedanken. Er wird noch verschlossener als sein Vater stirbt und seine Unsicherheit nimmt seit dem immer mehr zu.
Da kurz danach auch seine Mutter stirbt, drängen ihn alle Nachbarn, das von den Eltern geerbte Grundstück zu verkaufen. Ein millionenschweres Kernstück eines geplanten Bauprojekts, das für die Umgebung wirtschaftlichen Aufschwung bedeuten könnte. Aber John schweigt weiterhin und schließt seine Augen vor der Zukunft. Seine Peiniger aus Kindheitstagen lauern ihm daher eines Tages auf und verprügeln ihn sogar krankenhausreif und er läuft Gefahr, seine Sehkraft tatsächlich für immer zu verlieren.

Sein Lichtblick wird die freundliche Stimme von Siobhán, der Krankenschwester, in die er sich vom ersten Klang an verliebt. Aber auch sein Zimmernachbar findet Gefallen an der burschikosen Frau und so werden diese drei Menschen Freunde.
Johnsey öffnet nach längerer Zeit seine Augen, lässt sie aber vor dem anbrausenden Sturm der kommenden Ereignisse fast bis zum Schluss verschlossen. Denn der Druck der Gemeinde wird immer größer und die Umstände, die in Bewegung gesetzt wurden, kann keiner mehr so schnell aufhalten, bis es zum verstörenden Ende kommt…

Ein literarisches, kurzweiliges Lesevergnügen, das durch die tragische Geschichte und durch das Ende des Buches viel Raum für eigene Ideen und Gedankenspiele zulässt. Ein Roman, der klug und mit sehr viel Wortwitz geschrieben ist.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Eine Antwort zu “Donal Ryan: „Die Sache mit dem Dezember“

  1. Johnsey öffnet nach längerer Zeit seine Augen, lässt sie aber vor dem anbrausenden Sturm der kommenden Ereignisse fast bis zum Schluss verschlossen.
    …..ich liebe solche Sätze 🙂

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