Antonia Michaelis: „Das Institut der letzten Wünsche“

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Antonia Michaelis hat mit „Das Institut der letzten Wünsche“ einen neuen Roman für Erwachsene (ab 16 Jahren) geschrieben. Sie begann bereits als Kind zu schreiben und ist eine bekannte Autorin von zahlreichen Büchern und Theaterstücken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

„Das Institut der letzten Wünsche“ ist eine bewegende untypische Liebesgeschichte einer tragisch-schönen Liebe.
Das Buch handelt von Mathilda, die ihr Medizinstudium abgebrochen hat und nun in einem Zwei-Frauen-Unternehmen arbeitet, das sterbenden Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt. Das letzte Mal am Strand von Italien Muscheln suchen, noch einmal in einem stillgelegten Berliner Freizeitpark Riesenrad fahren, das letzte Mal Schneeflocken spüren mitten im Sommer oder die verstorbene Maria Callas noch einmal singen hören.
Für die 25 jährige Mathilda alles kein Problem, sie und ihre Kollegin basteln für ihre Kunden an einer gekonnten Umsetzung – kleine Tricks und Lügen sind dann schon ab und zu erlaubt und inbegriffen. Sie haben zwei Regeln: 1. Die Kunden müssen tatsächlich sterbenskrank sein und innerhalb der kommenden Monate sterben laut einem ärztlichen Befund. 2. Man sollte sich niemals in einen der Kandidaten verlieben.
Mathilda lebt ganz für diese Organisation und setzt alles ihr erdenklich mögliche ein um die letzten Wünsche umzusetzen. Sie versucht den Menschen dadurch eine Zeitreise in ihre schönsten Erinnerungen zu ermöglichen. Ihre Welt besteht aus aufgebauten Illusionen des Glücks, die für die Kunden aber eine seelische Erleichterung sein können. Nur für Sie bedeutet es beständige Bereitschaft und Kreativität. Durch ihre eigene Vergangenheit lässt sie viel an sich heran und geht mit sehr viel Humor an die meist traurigen Geschichten ihrer Kunden. Doch hat sie selber kein Ventil, sie kann nicht weinen und hat permanente Kopfschmerzen.

„Denk an die Sache mit der Seifenblasenwelt… Denk daran aufzupassen, dass sie nicht zu weit oben fliegt, wenn sie zerplatzt. Sonst fällst Du zu tief.“

Alles ändert sich, als Mathilda Birger als Kunden kennenlernt. Birger hat einen irreparablen Tumor nahe der Lunge und wünscht sich noch einmal seine große Liebe Doreen und ihr gemeinsames Kind wiederzusehen. Mathilda versucht nun Doreen und ihren Sohn zu finden. Doch hat sie mit der Suche ein persönliches Problem, denn seitdem Birger das Institut betreten hat, hat sie sich in ihn verliebt. In ihren Gedanken und Gefühlen ist er nun stets gegenwärtig und er verbringt ebenfalls gerne seine Zeit mit ihr. Da er anregt, Doreen als zukünftige Erbin zu locken und sie dann auch später mit ihrem punkigen Sohn auftaucht, weiß man nicht mehr ganz, was die Wahrheit ist und wer wem eine Geschichte erzählt…

„Über die wirklich wichtigen Dinge sollte man lieber nicht sprechen“

Ferner bekommt das Institut Probleme mit den Ärzten und Behörden, da natürlich viele Kunden nach dem Besuch des Instituts wirklich sterben. Und der Verdacht der aktiven oder passiven Sterbehilfe aufkeimt…

„Wer von Ihnen wunschlos sterben wird, ist zu beglückwünschen. Ich hoffe doch, es werden die meisten sein. Aber ein geringer Prozentsatz an Menschen trägt am Ende noch eine unstillbare Sehnsucht in sich.
… Der Mensch hat ein Recht auf Selbstbestimmtheit, und so hat er auch das Recht darauf, selbst zu bestimmen, was ihm wichtig ist: in hundert Prozent sicherer Umgebung im Bett zu liegen oder draußen noch einmal ein letztes großes – oder kleines – Abenteuer zu erleben.“

Antonia Michaelis ist eine wunderbare Geschichtenerzählerin. Sie gibt ihrer Erzählung und ihren Bewohnern, den Figuren, sehr viel Gefühl und Herz. Es ist eine berührende, beseelte und rührselige Geschichte, die ab und zu leicht übertreibt, aber gerade dadurch eine typische Michaelis-Stimmung aufbaut. Eine Stimmung die im Leser den Drang schaffen kann, vieles mal aus einer anderen Perspektive zu sehen, die Welt auf den Kopf zu stellen oder leicht zu verrücken… Ein schönes Buch, das nie kitschig wird und durch seine Bilder fast schon poetisch wirkt.

Antonia MichaelisAntonia Michaelis las am 23.08.2013 bei uns in der Buchhandlung aus „Paradies für alle“, auch ein wundervolles Buch für Erwachsene oder für größere „Kinder“. Es war eine schauspielerische Lesung. Sie ließ uns die gut ausgewählten Auszüge des Buches durch ihre darstellende und inszenierte Lesung bildhaft vor Augen erscheinen. Ein erlebnisreicher, teils lustiger aber auch mit zarten, nachdenklichen Tönen versehener Abend.

Also wer die Chance hat, Antonia Michaelis live zu erleben, sollte dies nicht als seinen letzten Wunsch aufschieben…

„Nur Lesen ist schöner“ schreibt über „Das Institut der letzten Wünsche“: „Herzenswünsche

5 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

5 Antworten zu “Antonia Michaelis: „Das Institut der letzten Wünsche“

  1. Mönsch, ich sollte deine Rezis nicht mehr lesen, schon wieder ein Titel wie gemacht für meine WuLi 🙂

  2. Bin gerade bei der Hälfte und nach deiner Rezension freue ich mich auf die Seiten umso mehr!

  3. Pingback: Antonia Michaelis: „Im Auge des Leuchtturms“ | leseschatz

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