Jürgen Bauer: „Was wir fürchten“

Septime was wir fürchten

Was ist es, das uns Menschen Angst macht? Was ist Angst und ab wann können Ängste, die Leben schützen, warnen und bewahren sollen, krankhaft werden?
Was bedroht uns und was macht uns am meisten Angst? Die Angst vor Krankheit, Schmerz und Tod? Oder ist es fehlende Liebe, die aus dem beklemmenden Gefühl eine bedrohliche Einsamkeit schafft? Wir als Menschen sind stets in abhängigen Beziehungen, d.h. wir leben in Verbindung mit unseren Mitmenschen, die wir lieben oder hassen. Was ist, wenn die Angst vor Menschen so groß ist, dass man sich in eine Paranoia hineinsteigert? Was ist, wenn sich der Verfolgungswahn als real herausstellt?
Mit diesen Fragen spielt der fesselnde Roman, der vom Leser einiges abverlangt, aber trotz der Tiefe und literarischen Erzählkunst stets spannend bleibt und ein intensives Panorama menschlicher Psyche offenbart.

Erzählt wird die Geschichte von Georg, beziehungsweise ist es Georg, der die Geschichte seiner Familie jemandem uns noch unbekannten berichtet. Dieser Zuhörer scheint alle aus der Familie zu kennen und auch über die Seelen- und Gesundheitszustände der jeweiligen Familienmitglieder Bescheid zu wissen.

Georg leidet gleich seinem Vater unter einer paranoiden Angst. Regelmäßig muss sein Vater in ärztliche Betreuung, um medikamentös erneut eingestellt zu werden. Mit dieser Unberechenbarkeit und dem unbeständigen Elternhaus wächst Georg auf. Er durchlebt die Sätze seiner Eltern als ständige ihn begleitende Mantren: Du bist paranoid, halt den Mund und sei still!“ und „Das ist alles nur in Deinem Kopf“.
Er entwickelt anhand eines medizinischen Ratgebers sehr früh Ängste vor anderen Menschen und Krankheiten. Seine Ängste kippen ins Krankhafte, als er in einem Erdbeerfeld die Mutter eines Freundes tot auffindet. Seitdem stellen die Menschen für Georg eine Bedrohung dar. Sein Familienleben ist in seinen Augen bedroht und er steigert sich in einen regelrechten Verfolgungswahn, der sich Jahre später zu bestätigen scheint. Ein Kind wird von einem Fahrzeug angefahren, aus dem Georg zuvor beobachtet wurde. Georg, bereits verheiratet, flieht und verschwindet aus seinem bisherigen Leben und Umfeld.

Nach seiner Rückkehr geht Georgs Wahn aber immer weiter – oder bildet er sich alles gar nicht ein? Entlang vieler Lebensbeispiele werden Wendepunkte in Georgs Leben beleuchtet.
Schritt für Schritt entblättert sich die ganze Familiengeschichte und bisherige Antworten werden infrage gestellt und müssen neu bedacht werden.
Sehr geschickt wird von Jürgen Bauer hier auch der Leser mit einbezogen. Denn man beginnt an vielen Geschichten zu zweifeln, sucht nach der Realität in dem Erzählten. Eventuell liegt die letzte Lösung bei der Person, der Georg alles erzählt.

Ein intelligenter fesselnder Roman über Unruhe, Ängste, Paranoia und Sorge bis hin zu Manipulation innerhalb der Familienbande.

Zum Buch 

5 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

5 Antworten zu “Jürgen Bauer: „Was wir fürchten“

  1. Und schon wieder hast du mich neugierig auf ein Buch gemacht!

  2. Vielen Dank für die tolle Rezension – kommt ganz überraschend für mich; umso schöner! Mit besten Grüßen aus Wien, Jürgen Bauer

  3. Pingback: Jürgen Bauer: „Ein guter Mensch“ | leseschatz

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