Abbas Khider: „Ohrfeige“

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Eine Ohrfeige eines Flüchtlings aus dem Irak an alle Menschen, die ihm sein Leben erschweren. Denn das Buch handelt von einem Menschen, der in seiner Heimat und in der Fremde nicht leben darf.
Er fesselt seine zuständige Sachbearbeiterin bei der Ausländerbehörde, gibt ihr eine Ohrfeige und erzählt ihr seine ganze Geschichte. Seine Frustration lässt ihn letztendlich so handeln. Oder träumt er das Ganze? Hat er sinneserweiternde Stoffe eingenommen und phantasiert seinen kleinen Racheakt an seiner kalten, bürokratischen Sachbearbeiterin?

Abbas Khider, der Autor, wurde 1973 in Bagdad geboren und mit 19 Jahren aus politischen Gründen verhaftet. Nach seiner Entlassung floh er und lebt seit 2000 in Deutschland. Am 15. Dezember 2013 wurde ihm der Nelly-Sachs-Preis überreicht. „In seinen Romanen schildert Khider exemplarische Schicksale unserer zerrissenen Gegenwart. Lakonisch, humorvoll, erzählerisch versiert und literarisch.“ So in der Laudatio von Hubert Spiegel (Literaturkritiker der F.A.Z).

Abbas Khider hielt sich als „illegaler“ Flüchtling in verschiedenen Länder auf und erlebte wohl eine persönliche Odyssee. So auch sein Protagonist, Karim Mensey, dem gleich Odysseus nur selten Gastfreundschaft gewährt wird. Er flieht aus einem Land, um der Diktatur dort zu entkommen, strandet aber letztendlich im Dschungel der Bürokratie. Er erlebt die Schikanen des Bundeskriminalamtes, Peinlichkeiten des Bundesnachrichtendienstes und die alltäglichen Vorurteile bis hin zum Rassismus.

Karim ist eigentlich kein politisch Verfolgter. Er verlässt seine Heimat nicht politisch motiviert. Doch ist die Flucht für ihn sehr wichtig und er wird von seinem Vater unterstützt. Er leidet unter Gynäkomastie. Nach der Schule ist sein Notendurchschnitt knapp unter der Regulierung für das Studium und dem damit verschobenen Militärdienst. Er darf vorerst nicht studieren, sondern muß den Militärdienst antreten. Sein nackter Körper ist ihm aufgrund seines Leidens sehr peinlich und könnte ihm im Irak sehr gefährlich werden. Er glaubt seine damalige Kinderliebe hätte ihm, nach ihrem grausamen Tod, ihre Weiblichkeit übertragen. Diese versucht er stets mit Kleidung zu verbergen und möchte nun zu seinem Onkel Murad nach Paris fliehen. Seine Reise dauert fast fünf Wochen und durch die verschiedenen Einzeletappen, sowie Fahrzeuge, verliert Karim die Orientierung. Als er von der Ladefläche des Transporters springt, ist er nicht in Frankreich, sondern in Dachau. Drei Jahre und vier Monate wird er nun in Deutschland leben. In Zirndorf, Bayreuth, Niederhofen und in München.
Sein Aufenthalt ist geprägt vom Warten. Langsam spielen die Einheimischen für ihn eine immer wichtigere Rolle. Besonders Frau Schulz, seine Sachbearbeiterin von der Ausländerbehörde, gehört zu den Menschen, die er am häufigsten sieht. Frau Schulz bearbeitet sehr bürokratisch, unfreundlich und zu Teilen auch willkürlich die vorgelegten Anträge. Karim muss sich eine Lebensgeschichte ausdenken, damit er Asyl bekommt und sich endlich wieder frei bewegen kann. Er kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte und lässt sich auf fragwürdige Freundschaften ein.

Mit dem 11.09.2001 verändert sich alles und die Welt steht Kopf. Nach dem Irakkrieg bekommt Karim seinen Widerruf und er soll in den Irak abgeschoben werden. Jetzt, nachdem er sich in Deutschland eingefunden hatte, die Sprache erlernt, die Mentalität erhaschen konnte, steht er wieder am Anfang. Er muss sich einen neuen Schlepper suchen. Einen, der ihn aus Deutschland rausbringt. Aber vorher geht er zu Frau Schulz und erzählt ihr seine ganze Geschichte…

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