Marlen Schachinger: „Unzeit“ & „Albors Asche“

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Ich wurde bereits zum zweiten Mal im Auftrag der Autorin angeschrieben. Jedes Mal war ein ansprechendes Leseexemplar für mich dabei. Aus Zeitmangel konnte ich mich erst jetzt mit der „Unzeit“ beschäftigen. So war der bisherige Eingang wohl auch für mich stets zu einem unpassenden Zeitpunkt, zur Unzeit bei mir angekommen. Aber die Sprache hat mich in die Kurzgeschichten hineingesogen, dass ich auch gleich den vorherigen Roman „Albors Asche“ von Marlen Schachinger gelesen habe.

003Marlen Schachinger schreibt sehr kunstvoll und man holpert leicht am Anfang, wird aber dann immer mehr von der Handlung und besonders der Sprache gefesselt. In „Albors Asche“ werden wir Zeuge, wie in einem kleinen Ort, der zunächst nur harmlos wirkt, durch das Auftauchen einer rothaarigen Fremden Fremdenhass und Brutalität ausgelebt wird. Beobachtet wird der Einzug dieser Fremden von einem, der bereits seit einer sehr langen Zeit sein Zimmer nicht mehr verlassen hat und alles, was sich vor seinem Fenster abspielt, akribisch notiert. Pastora, die geheimnisvolle Fremde, wird Opfer, denn sie löst Bewunderung, aber auch Aggression aus. Ein Roman, der langsam auf die Tragödie zusteuert. Ein Untergang in Intrigen und Boshaftigkeit einer vermeintlichen Idylle aus Angst vor dem Anderssein.

Ein sehr komplexer und sprachgewaltiger Roman, der sich lohnt erkämpft zu werden.

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004Neu erschienen sind nun die Erzählungen „Unzeit“. Ein großartiger Figurenreigen, der die Zustände der Zeit, d.h. der Unzeit darstellt. Es sind viele Protagonisten, die im Leser einen bleibenden Eindruck hinterlassen.  Sei es die kluge Physikerin mit ihren wichtigen Arbeiten, die aber keinen Erfolg hat, da sie eine jüdische Frau ist. Eine Frau die hofft, dass der Tod sie nicht vergisst. Einem Manager, der seinen Arbeitstag in der Welt des Onlinehandels beendet und in den Feierabend geht. Sein Ziel ist es, die Produktion zu steigern, d.h. er musste sein „Menschenmaterial“ ausbeuten oder verringern, d.h. entlassen.

Es sind Menschen, die versuchen mit den Umständen der Gesellschaft, Politik und Geschichte zurechtzukommen. Wesentliche Themen spiegeln die Figuren: Politische Systeme, Kapitalismus, d.h. menschliche Gier, und das Verschwinden oder der Rückzug in künstliche Idylle.

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Mich hat besonders die Sprache und der Klang der Sprache der Autorin begeistert. Keine Werke, die man flüchtig oder nebenbei inhalieren kann. Man liest und ist in dem Netz der Formulierungen und Figuren gefangen. Ich habe mich gefreut, diese Autorin für mich entdecken zu dürfen.

 

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Marlen Schachinger: „Unzeit“ & „Albors Asche“

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