Lauren Groff: „Licht und Zorn“

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Der Titel deutet bereits den Inhalt an, der uns ein Eheleben erlesen lässt. Die Handlung spannt den Bogen und macht den Wechsel von der erleuchtenden Liebe, die im glanzvollen Glück erstrahlt, bis hin zum eingekehrten, inneren Zorn. Der Roman wandelt vom sonnendurchfluteten Strand, an dem das junge Glück die Gezeiten beobachtet und ständig die Nähe sucht, zum dunklen Innenleben. Bereits in der ersten Szene zeigen sich die ersten Schatten. In der letzten Szene des Buches, die drinnen spielt, bricht das Licht nunmehr durch die Fenster.

Im Original heißt der Titel „Fates and Furies“ und zeigt dadurch auch eher den Bezug zu ihrem tollen Roman „Die Monster von Templeton“. Leider ist die Autorin bei uns noch nicht so bekannt, denn mich konnte sie wieder begeistern. Erneut schreibt sie fast schon nüchtern über das Familienleben, d.h. über die Ehe, und zeigt die inneren wahren Monster und Furien, die in uns wüten können. Das Buch ist aber keine Demontage der Ehe. Es sind stets zwei Perspektiven, die eine Beziehung ausmachen. Auch wenn der Wunsch groß ist, alles über den Partner zu wissen, wird es immer Wissenslücken, wenn nicht sogar Schattenseiten geben.

Das Buch war ein großer Erfolg in Amerika und wurde sogar von Barack Obama als sein Lieblingsbuch des Jahres 2015 genannt. Es ist eigentlich eine einfache Geschichte, die dennoch elektrisiert und zu fesseln versteht. Der Titel entspricht der Gliederung des Inhalts. Der Wechsel von Licht zu Zorn wird auch sprachlich vollzogen und macht das Leseerlebnis dadurch noch spannender.

Es ist die Geschichte von Lotto und Mathilde. Der Lichtanteil im Roman stammt von Lotto, der eigentlich Lancelot heißt. Eine Anspielung zum berühmtesten Ritter der Tafelrunde, die ebenfalls im Licht der Legende erstrahlte. Lotto ist ein Strahlemann, dem alles zu gelingen scheint. Er ist als Schüler ein Frauenheld, der die Menschen in seinem Umfeld erobert. Er träumt von einem Leben als Sexpriester und Schauspieler. Nach einer Schulaufführung, in der er den Hamlet mimt, sieht er im applaudierenden Publikum Mathilde. Auf der Collegeparty begegnen und verlieben sie sich. Nach einer Woche des Kennenlernens wird ihr Begehren immer größer und sie geben sich ihrer Liebe und der Leidenschaft völlig hin. Sie heiraten, ziehen nach New York und bleiben trotz aller Zweifler in ihrem Umfeld glücklich verheiratet.

Die Autorin versteht es, wiederholt kleine Schatten in das lichtvolle Glück einzuwerfen, die dadurch einen immer größer werdenden Spannungsbogen aufbauen. Lotto und Mathilde bleiben sich stets treu, bis der Tot sie scheidet. Das Buch wird zunehmend temporeicher und schlägt auch stilistisch mit dem zweiten Teil „Zorn“ um. Jetzt ist es Mathilde, die im Mittelpunkt steht. Die anziehende, kluge, aber stille Frau offenbart, was in ihr brennt. Lottos Licht war ein äußeres, das alles erstrahlte. Mathildes Licht ist eingekehrt und lodert innwendig. Welche Rolle hat sie im Leben ihres Mannes wirklich gespielt? Ihr Mann, der große und erfolgreiche Dramaturg. Wir Leser tauchen ein in die Schichten der Ehe und sehen, jede Geschichte kann auch anders erzählt werden. Ist Aufrichtigkeit in einer Beziehung wichtiger als Stille und Schweigen? Wie gut kennt man eigentlich den anderen Menschen?

Ein faszinierender Roman, der mit glaubhaften Charakteren spielt und durch die Sprache und Bilder eine Sogkraft entwickelt, die beständig zunimmt und besonders im Zorn zu fesseln versteht. Ein kurzweiliger Eheroman, der überrascht und in der Dramatik nicht zu weit überspannt.

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