Hannah Dübgen: „Über Land“

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Durch einen Zusammenprall werden zufällig die Protagonisten zusammengeführt. Ein kleiner Verkehrsunfall wird der Auftakt einer Freundschaft und das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen. Ein zentrales Bild im Roman ist das Ischtar-Tor mit den Löwen. Die Löwen gehören zu der Göttin Ischtar, der Göttin der Liebe und des Krieges. Liebe und Krieg liegen nahe und sind lediglich durch eine Grenze getrennt. So geht es auch im Roman um Grenzen: Ländergrenzen und kulturelle Gräben, die es zu überwinden gilt. Tore und Türen sind Öffnungen, die trennen, aber auch verbinden können.  Aber es geht auch um innere und familiäre Bindungen, die in der Gegenwart Raum und Zeit überwinden können und müssen.

In Berlin fährt Clara, eine junge Ärztin, mit ihrem Fahrrad Amal, eine aus dem Irak stammende Archäologie-Studentin, an. Durch die erlebte Flucht wird durch den Zusammenprall der Fluchtinstinkt von Amal geweckt und sie rennt einfach davon. Clara, die sich nicht nur beruflich um Amal sorgt, sucht diese. Amal hofft in Deutschland auf Asyl und lebt in einem Flüchtlingsheim in einem Zweibettzimmer, das sie sich mit einer durch Folter traumatisierten Mitbewohnerin teilt.

Clara und Amal finden langsam zueinander und vertrauen sich. Amal schildert ihr Leben im Irak und die Flucht. Ihr Vater ist nach dem Regimewechsel politisch aufgefallen und gilt seitdem als verschwunden. Ihre Mutter, Rauya, hat Amal zur Flucht verholfen. Clara leiht Amal ihren alten Laptop und somit kann Amal mit ihrer Familie und besonders ihrer Mutter kommunizieren.

Auch Claras Leben ist zerrissen. Ihr Lebenspartner, Tarun, ist Architekt und leitet erstmalig sein eigenes Bauvorhaben in seiner eigentlichen Heimat. Unweit von Kolkata in Indien baut er einen Turm, der u.a. einen Raum der Stille, der Mediation beinhalten und allen Menschen zugänglich sein soll. In seiner Familie hat ein ungeborenes Kind ein Herzproblem und muss operiert werden. Tarun schließt Clara bei der Organisation gänzlich aus und grenzt sich ab. Auch das Bauvorhaben aus Berlin zu überwachen wird immer schwieriger und Tarun reist schließlich nach Indien.

Als Amals Großmutter einen weiteren Schlaganfall hat und stirbt, möchte Amal endlich ihr Versprechen einlösen und zumindest ein blaues Veilchen auf das Grab pflanzen. Doch ist ihr Asylantrag noch nicht bewilligt und sie kann Deutschland nicht so einfach verlassen. Clara entschließt spontan, für sie nach Bagdad zu fliegen.

Am Ende sind es drei Schriftstücke, die alle Leben verändern werden. Eine lange Mail von Tarun an Clara, ein Schreiben von der Ausländerbehörde an Amal und das Tagebuch von Clara, die die Aufzeichnungen für sich und Amal macht.

Es ist ein Roman voller Achtung und Respekt vor den jeweils anderen. Durch die Handlung, die Sprache und die Charaktere versinkt man schnell in dieser Geschichte. Ein tiefgründiger, berührender, leicht philosophischer Roman über Selbstbestimmung und Findung.

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