Cees Nooteboom: „533 Tage. Berichte von der Insel“

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Ein Tagebuch das anfänglich eitel wirkt und den Leser fragen lässt, wie kommt es, dass der Autor seine Gedanken für so wichtig erachtet, um ein Buch über seine Grübeleien zu veröffentlichen? Aber man folgt ihm gerne und hat eigentlich kein großes Interesse an zum Beispiel Kakteen, möchte dann aber gleich dem Verfasser immer mehr erfahren.

Seit vielen Jahren verbringt der in Amsterdam lebende Autor Cees Nooteboom mehrere Monate im Jahr auf Menorca. Sein umfangreiches Werk, das in viele Sprachen übersetzt ist, umfasst Erzählungen, Berichte, Gedichte und vor allem die für mich großartigen Romane „Rituale“, „Allerseelen“ und „Paradies verloren“.

In „533 Tage“ notiert Nooteboom in einer Leichtigkeit seine Beobachtungen über die inselspezifische Fauna und Flora und gibt seinen Gedanken und Erinnerungen freien Lauf. Er schweift gerne ab und vertieft seine Gedanken über die gerade gelesene Literatur, denen man nur bedingt folgen kann, die aber neugierig auf die von Nooteboom beschriebenen Werke machen. Er beobachtet die Tiere Menorcas und hegt und pflegt mit Unterstützung seinen Garten. Die Pflanzenwelt wird zu seinen gefühlten Familienangehörigen. Sein Blick geht aber auch nach innen, in seine Sorgen und philosophischen Betrachtungen über die Gegenwart. Sorgen über die globalen politischen und kulturellen Entwicklungen. Ein Bericht über die Insel wird zu einer Betrachtung der Welt als Insel im Kosmos.

Als Leser wird man ab und zu mit seinen eigenen Gedanken allein gelassen und Nooteboom regt an und schweigt dann, um die gerade entstandene Leere vom Leser selbst füllen zu lassen. Es ist wenig eitles im Text, in dem der Verfasser sich als großen Autor sieht, der jetzt in einem Lebensalter schreibt, in dem er sich erlaubt, wie viele seiner Vorbilder, über alles schreiben zu dürfen. Dies kann ab und zu langweilen.  Aber es ist Cees Nooteboom, der diesen Bericht geschrieben hat und, so empfinde ich es, darf er es auch. Seine Frage, wo wir sind, wenn jemand anderes von uns träumt, reicht bis zur Erkenntnis, dass man die ganze Welt nicht vergessen darf. Er stellt sich dann auch die Frage, die einst schon U2 („How long must we sing this song?“) gesungen haben: Bis zu welchem Alter muss man sich um die Welt kümmern? Er ist lieber auf seiner Insel und pflegt seine Kakteen und macht sich dennoch über alles seine Gedanken. Durch das Notieren und Veröffentlichen kann es sein, dass die Welt sich etwas bessert?!…

Cees Nooteboom darf mich immer wieder in seine Gedankenwelt einladen. Es dürfte aber auch mal wieder sehr gerne ein Roman sein.

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