Anthony McCarten: „Licht“

McCarten Licht Diogenes

Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt davon, wie Kreativität durch Korruption und Machtgier unmenschliches zutage bringt. Die innere Einstellung des großen Erfinders Thomas Alva Edison, dass seine Ideen und Erfindungen stets dem Wohle der Menschheit dienen sollen, wird durch seine aufkommende Armut verdrängt. Edisons Erfindungen und Weiterentwicklungen der Elektrizität und Telekommunikation hatten einen großen Einfluss auf unsere kulturelle Entwicklung. Er ist der Erfinder der Glühbirne und dies war der Beginn der Elektrifizierung der Städte und der industrialisierten Welt. Doch jede noch so gute Entwicklung kann auch von Menschen missbraucht werden. Im Roman gibt es eine Szene, in der Edison mit dem Zug durch die Stadt fährt und eine Kirche sieht, die als ein Kasino umfunktioniert wurde. Er betrachtet die Menschen, die durch eine Mischung aus Tragödie und Fortschritt verkommen und sich nun lediglich den Sinnesfreuden hingeben.

Die Handlung des Romans basiert auf dem Kampf um den Erfolg der Elektrizität. Edison, der den Gleichstrom nutzt streitet sich mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Nikola Tesla und dem Erfinder sowie Ingenieur George Westinghouse. Tesla und  Westinghouse propagieren den Wechselstrom und die Parteien liefern sich einen erbitterten Streit welche Stromart Anwendung finden soll und die sicherste sei.

Wir erleben einen alten Thomas Edison, der auf seinen Lebensweg zurückblickt. Seine Erinnerungsarbeit ist daher eine verkürzte, wenn nicht sogar eine verzerrte. McCarten will auch keine weitere Biographie schreiben. Er nutzt die verfügbaren Fakten, um daraus ein spannendes Buch über den Preis des Fortschritts und des Ehrgeizes zu schreiben. Denn Macht und Gier sind die Motivation der Menschen, die Edison lenken und ihm weitere Aufträge zumuten.

Edison hat seit Kindheitstagen mit seinem Gehör zu kämpfen und verlangt daher von seinem Umfeld stets in 80 Dezibel zu sprechen. Schon als Jugendlicher hat er das Morsealphabet gelernt und somit auch seine Forschungen in diese Richtung gelenkt. Seine Frau pocht ihm das Gehörte oder ihre Meinung auf sein Knie, wenn sie unter Menschen sind. Seine Errungenschaften waren meist zur Vereinfachung des Büroalltags gedacht. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Elektrizität und der Elektrotechnik. Doch macht er auch naturwissenschaftliche Experimente, die in Selbstversuchen endeten, die ihn noch mehr als einen eigenwilligen Kauz erscheinen lassen. Als er die Glühbirne erfindet wird J.P. Morgan auf ihn aufmerksam. Morgan hat aus seiner New Yorker Bank ein Imperium gemacht und möchte Europa und dann Amerika mit Edisons Licht erleuchten.

Der Serbe Nikola Tesla, der mal für Edison gearbeitet hat, entwickelte Generatoren für den Wechselstrom. Er hat Motoren entwickelt, die mit Wechselstrom laufen. Doch Edison hält gerade den Wechselstrom für sehr gefährlich und deklariert Tesla als Spinner. Tesla bekommt Unterstützung von George Westinghouse und beide stehen nun Edison und Morgans Plan vom allgemeinen Licht im Weg. Da Morgan viel Geld in Edisons Wunderwerk investiert hat, verlangt er von Edison, Westinghouse bloßzustellen und den Beweis zu erbringen, dass Wechselstrom gefährlich ist. Edison bekommt dabei Unterstützung durch das Auftreten von Harold P. Brown und er setzt damit nicht nur sein Seelenleben aufs Spiel…

Ein Roman, der im wahrsten Sinne elektrisiert und ein Licht auf die damaligen Errungenschaften wirft. Das Spiel der Wissenschaft und der Habgier. Die Philosophie der Wissenschaft ist Leben zu retten, zu verbessern oder zu verlängern. Im Roman wird der Weg erzählt, wie sich mal wieder die Wissenschaft auf abscheulichste untreu wurde…

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Siehe auch die Besprechung auf Feiner reiner Buchstoff

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Eine Antwort zu “Anthony McCarten: „Licht“

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