Claus Probst: „Die Jagd – Am falschen Ort“

Claus Probst Die Jagd Fischer

Ein Thriller in dem man sich beständig fragt, ob der Protagonist Opfer oder Täter, Gejagter oder Jagender ist.  Ein temporeicher Spannungsroman, der ohne Polizei, Detektiv oder sonstige Ermittler auskommt. Um sein eigenes Leben zu retten, muss der Held seines paradoxerweise aufgeben. Doch sein Selbsterhaltungstrieb wirft sehr moralische Fragen auf. Das innere Tier, das in uns Menschen schlummert, kann, wenn es gejagt wird, seine Schutzinstinkte aktivieren. Doch reagiert dieses Tier ab und zu sehr schnell und hat es schwer, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Der Autor, der mit „Die Jagd“ seinen dritten Psychothriller geschrieben hat, arbeitet als Psychotherapeut in eigener Praxis und bringt für seine schriftstellerische Tätigkeit viele Erfahrungen aus seinem Beruf mit. Doch hat er ebenfalls einen kleinen Schutzmechanismus angewendet, denn er behauptet, dieses Manuskript sei ihm vom eigentlichen Ich-Erzähler zugespielt worden. Dieser wendet sich an wenigen Stellen direkt an uns, die Leser, um auch uns zu beeinflussen. Er möchte von uns verstanden werden und hofft, jeder von uns würde wie er handeln. Denn am Anfang macht der Held, auch wenn er sich dadurch in Gefahr begibt, das eigentlich Richtige.

Keller, der Erzähler, ist ein sympathisch wirkender Mann, der als Säugling im Jahr 1983 einen schrecklichen Unfall überlebt hat, bei dem er seine Eltern verloren hatte. Sein Leben verläuft gradlinig und fast schon harmlos. Seine Arbeitskollegen haben ihm ein Mountainbike geschenkt und an dem Tag, als er es im Waldgebiet testet, verändert sich sein Leben. Er wird Zeuge, wie ein Mann mit italienischen Akzent einen Mann und eine Frau brutal erschießt. Der Mörder versucht auch Keller zu töten, doch kann dieser im Dickicht entkommen und meldet es der Polizei. Keller ist ein sehr guter Zeichner und das Bild, das er vom Täter für die Polizei machen konnte, zeigt einen mächtigen, der Polizei bekannten Mafia-Boss. Dieser hatte noch in den Wald gerufen, sollte er zur Polizei gehen, würde er ihn finden und töten.

Die Aussage gegen das organisierte Verbrechen zwingt Keller nun in das Zeugenschutzprogramm. Seine Lebensgefährtin und Freunde haben Angst, ihn zu unterstützen und in die Geschehnisse mit hereingezogen zu werden. Er steht plötzlich ganz alleine da. Lediglich einer vom LKA wirkt zuverlässig und freundlich. Doch nimmt Keller das Programm anfänglich nicht ganz ernst. Durch das Gefühl des Alleingelassen sein und der Trennung von allem bisher bekannten, ist er innerlich stark getroffen und verletzt. Er entzieht sich der polizeilichen Beobachtung und dadurch kann ihn die Mafia finden. Er wird angeschossen, aber überlebt und nimmt jetzt die Hilfe der Polizei an. Er lässt sich in Kampftechniken und an der Waffe ausbilden. Er, der Gute, wird zum Gejagten und lebt vorerst in Spanien, bis ihm erneut zwielichtig wirkende Personen über den Weg laufen. Ist das LKA infiltriert? Hat die Mafia ihn so schnell ausfindig machen können?

Der Roman ist ein temporeicher und actiongeladener Thriller. Bis zum Ende bleibt es zweifelhaft, wer auf wen die Jagd eröffnet hat. Der Protagonist ist am Anfang ein Held, den man mag und mit dem man leidet, doch auch wir Leser verändern mit den Reisen durch Europa unsere Sicht.

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