Sebastian Faulks: „Der große Wahn“

Sebastian Faulks Der große Wahn Mare

Der Mare Verlag hat ein gutes Händchen für feine Schmöker.  Es geht vorrangig um das Erinnern. Das, was uns menschlich macht, sind unsere Gefühle, die Emotionen und der Geist. Was uns prägt, sind unsere Erlebnisse, d.h. vielmehr die Erinnerungen an diese. Unsere Persönlichkeit wird auch durch die Art und Weise geformt, wie wir uns an etwas erinnern.

Sebastian Faulks erzählt die Geschichte eines Psychiaters, der durch die Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt wurde und sich in der Gegenwart seinen inneren Barrieren und Fronten stellt. Durch seine Reise in die eigene Vergangenheit, den ganzen Wahn, kann er sich mit der Liebe aussöhnen und sich auf diese erneut einlassen.

Robert Hendricks ist ein erfolgreicher Psychiater und Autor. Er ist ein ständiger Analytiker, der seine eigene Gefühlswelt verschließt. Er kann sich auf ihm nahestehende Menschen kaum einlassen. Er hadert mit der Liebe und sucht eher die körperliche Nähe. Beim Besuch eines Freundes lässt er sich ein Callgirl kommen und hat dann kurzweilig ein schlechtes Gewissen. Seine Partnerin beendet die Beziehung, zwar wegen eines anderen Missverständnisses, aber es ist die fehlende Hingabe und Liebe, die beiden fehlt.

Robert bekommt eine Einladung aus Frankreich. Alexander Pereira, ein 93-jähriger Neurologe ist durch Roberts Buch auf ihn aufmerksam geworden. Er möchte sich mit ihm fachlich austauschen und ihn als seinen Nachlassverwalter berufen. Robert nimmt die Einladung nach kurzem Zögern an und reist auf eine kleine, felsige Mittelmeerküste, auf der Pereira lebt. Sein Hauptbeweggrund für die Reise ist die Behauptung von Pereira, seinen Vater gekannt zu haben. Robert hatte eine vaterlose Kindheit in England und hofft nun, mehr über seine Vergangenheit und seinen Vater zu erfahren. Er beginnt, sich dem Leben auf der Insel zu öffnen und Stück für Stück entfaltet er vor seinem Gastgeber sein erlebtes Panorama. Sein Medizinstudium wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Er machte Karriere als Soldat und kämpfte an vielen Fronten. Er erlebte Freundschaft, aber auch den Schrecken, den sich nur Menschen ausdenken können. Als er angeschossen wurde, ging er zur Genesung nach Italien und lernte dort seine große Liebe kennen, der er sein Leben lang nachsinnen wird.

Der Krieg hat Robert vieles genommen und er wird innerlich verbittert. Durch das Treffen mir Pereira und das unbekümmerte Inselleben lernt er die Türen zu seiner Vergangenheit und seiner Gefühlswelt zu öffnen.

Ein Roman über die Wahrnehmungen des eigenen Lebens und der Geschichte. Das Buch ist vielschichtig und weitschweifig. Es sind grundlegende psychologische und philosophische Betrachtungen, die das Buch ausmachen. Das ist auch der kleine Kritikpunkt, den man äußern dürfte: es ist etwas zu viel und die eine oder andere kleine Kürzung hätte der Text vertragen können. Aber es ist und bleibt ein Roman, der lesenswert ist und gut unterhält.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

2 Antworten zu “Sebastian Faulks: „Der große Wahn“

  1. Bri

    Interessant, dass wir beide heute Bücher zum Thema haben, die sich mit Erinnerung, Wahrnehmung und Realität auseinandersetzen. LG, Bri

  2. Das war mir damals beim Durchblättern der mare-Vorschau auch aufgefallen. Danke fürs Erinnern. Viele Grüße

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