Salih Jamal: „Briefe an die grüne Fee“

Salik Jamal Briefe an die grüne Fee BOD

Singe mir, Muse, über die Alchemie der Seele! Es häufen sich Zitate und Anspielungen im Text, dass man meint der Autor möchte sich durch die Verweise schmücken, d.h. seinen Roman aufwerten. Oder möchte er sich eventuell lediglich dahinter verstecken?

Salih Jamals Debütroman spielt mit dem Aufbegehren, dem Begehren und der Empfindsamkeit der Seele. Die grüne Fee ist Sinnbild der Muse, die oft die Poeten und Mystiker als mythische Spirituose mit dem Namen Absinth inspiriert haben soll. Der Erzähler, ein belesener und gebildeter Mann, blickt zurück auf sein bisheriges Leben. Ein Leben, das ihn anscheinend an den Abgrund geführt hat. Dies ist nicht nur bildhaft gemeint, sondern er sitzt auf einem Sims und lässt die Beine über eine Häuserschlucht baumeln. In ihm rumort eine Todessehnsucht.

Sein Rückblick beginnt in seiner Zeit voller Sturm und Drang. Er will mit wenig Mühen und Arbeit viel im Leben erleben. Sein sympathisches Idol ist Frederick, die Feldmaus aus dem Kinderbuch von Leo Lionni. Die Maus macht bei der Feldarbeit nicht mit, kann dafür das Leben in vollen Zügen in sich aufnehmen und es später, in der dunkleren Jahreszeit, den anderen Mäusen durch seine Erzählung wiedergeben. So ist die Maus durch seine Faulheit irgendwie doch eine spätere Bereicherung, die die Sonnenstrahlen herbeifabuliert.

Der Ich-Erzähler beginnt als Rosenverkäufer und lässt sich später auch nicht vor kriminellen Energien abschrecken. Die Einberufung zur Bundeswehr umgeht er durch eine Inkontinenz-Geschichte und beginnt dann später eine Ausbildung im Handel. Aber eigentlich verlangt er mehr vom Leben und seine Erzählung handelt weiter von seinen Affären und von den Menschen, die in seinem Leben eine Rolle eingenommen hatten. Er sucht die Alchemie der Seele und er verhandelt und hadert innerlich zu weilen auch mit dem Teufel.

Der Protagonist hält einen geradezu fest und lässt einen weiterlesen. Aber kann man ihn mögen und sich mit ihm identifizieren? Er ist arrogant und empfindet sich erhaben. Wohl nicht nur weil er hoch oben sitzt und mit den Beinen bereits über dem Abgrund wippt. Die Sprache ist derb, grob, etwas vulgär und herablassend. Gleichzeitig hat sie auch etwas zartes, poetisches und erscheint irgendwie ehrlich gemeint. Die Anspielungen und Zitate sind hochgegriffen und verweisen auf große Werke der Literatur. Hier ist der Vergleich etwas zu sehr gewollt, gleich den öfters auftretenden Phrasen. Der Vergleich, der oft genannt wird, das vorliegende Buch sei ein moderner Werther, kann niemals aufgehen, dennoch ist es ein Werk voller Sturm und Drang, voller Leidenschaft und Witz. Eine Geschichte aus lustigen, tragischen und melancholischen Anekdoten und Zoten.

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