Haruki Murakami: „Die Ermordung des Commendatore 01 – Eine Idee erscheint“

Haruki Murakmai #MurakamiLesen Dumont

Haruki Murakami vereint mal wieder alles, was man an seinen Büchern so sehr liebt. Durch eine Trennung gelangt ein namenloser Held in eine fast magische Berglandschaft und die Welt wirkt um ihn immer mehr wie verzaubert. Dies ist der erste Band des zweibändigen Künstlerromans, in dem es um Kunst, Wahrnehmung und Dualität geht.  Murakami mischt erneut all sein Können in einen Reigen bunter Bilder, die mit wenig Strichen den ganzen Geist erfassen, der uns in seinen Bann zieht. Erneut treten Tiere als Boten auf, die Farben und die Kunst als Mischpalette der Wahrnehmung der Emotionen. Die Grenzen der Welten verwischen sich, denn das Traumhafte verwebt sich mit der Realität.

Der namenlose Erzähler wird von seiner Frau verlassen. Er ist ein erfolgreicher Maler, der seinen Lebensunterhalt durch das Porträtzeichnen bestreitet. Mit der Trennung beschließt er, von seinem bisherigen Leben Abstand zu bekommen. Er möchte keine Porträts mehr malen. Er verlässt seine Heimat und reist längere Zeit durch Japan. Nach seiner Irrfahrt zieht er in das abgelegene Haus, das einem berühmten Künstler gehört. Dieser hat in Europa gelebt und auch die europäische Kunst geliebt und selbst produziert. Doch ist etwas in seinem Leben vorgefallen, so dass er nach Japan zurückgekehrt ist und in der Einsamkeit nach japanischem Stil gemalt hat. Jetzt demenzerkrankt lebt er in einem Heim und somit steht sein Haus in den Bergen leer. Das Haus steht genau auf einer Wettergrenze und der namenlose Erzähler sucht nun ebenfalls in der Einsamkeit der Berglandschaft eine neue Idee für sich, seine Kunst und sein Leben. Doch gelingt ihm das Malen nicht. Ihm fehlt die Inspiration. Das Haus ist vom vorherigen Künstler möbliert und mit einer umfangreichen Plattensammlung ausgestattet. So bekommt er erstmalig Zugang zur klassischen Musik, die in Folge noch weitere Bezüge zu seinem Leben erhalten wird. Eines Nachts hört er ein Geräusch und findet eine Eule, die sich in dem Dachboden eingenistet hat. Dieser Weckruf lässt ihn ein Gemälde finden. Es ist ein meisterhaftes Werk, das ihn wie magisch in seinen Bann zieht. Das Bild trägt den Namen „Die Ermordung des Commendatore“ und zeigt einen jüngeren Mann, der mit wenig Gefühlswallung einen älteren Herrn ersticht. Die weiteren Menschen sind mit einem Gesichtsausdruck des Entsetzens gemalt. Das sonderbare am Bild ist eine Bodenluke, aus der ein Gesicht in die Szenerie schaut. Erst später erkennt der Erzähler den Bezug des Bildes zu Mozarts „Don Giovanni“.

Der Erzähler lebt von seinem Ersparten und gibt für Jung und Alt Malunterricht. Doch eines Tages bekommt er ein sehr lukratives Angebot. Er soll das Porträt eines Mannes anfertigen. Dieser Mann wirkt sehr vermögend und lebt im Tal, fast genau gegenüber dem einsamen Künstlerhaus in den Bergen. Nach kurzem Zögern nimmt er an und der zu Porträtierende fällt durch sein Erscheinen und seinen Namen auf. Sein Name beinhaltet im Japanischen das Weglassen der Farben und trägt selbst gerne Weiß und hat auch gänzlich weißes Haar. Dieser Mann verfügt über sehr viel Zeit und möchte Modell sitzen. Der Ich-Erzähler war es gewohnt, sich lediglich mit den Menschen zu unterhalten und dann anhand von Fotos den Kunden zu malen. Durch die Gespräche erfasste er stets den Geist seines Gegenübers. Jetzt soll er anders arbeiten und er willigt letztendlich ein, um dabei für sich auch neue Wege in der Malerei zu entdecken. Doch er findet keinen Zugang zu dem Mann. Es fällt ihm schwer, diesen zu erfassen und zu porträtieren. Immer wieder treffen sie sich, doch bleibt der Kunde für den Porträtisten ein Mann ohne Gesicht.

Das Unbekannte wächst immer mehr in der abgelegenen Bergwelt und nachts, immer zur selben Zeit, nimmt der Erzähler aus einer absoluten Stille in der Natur ein feines Klingeln wahr. Dem will und muss er nachgehen. Doch der einzige, dem er sich anvertrauen kann, ist sein Kunde, der vermögende, für ihn noch gesichtslose Mann. Kann er sich diesem anvertrauen? Was sind überhaupt dessen Beweggründe für das Porträt und für die Besuche? Warum hat er ihn auserwählt? Als er sich doch an diesen wendet, öffnen sich immer mehr neue Welten. Welchen Einfluss haben der gesichtslose Mann und das Bild „Die Ermordung des Commendatore“ auf den Erzähler?

Ein Murakami voller bunter Fantastik. Ein Roman, der auf einer Mischpalette alles vermengt: Hochs, Tiefs, Farbloses, Buntes sowie Kunst und Banales. Viel Kunst, Sex und Magie füllen die Handlung mit Leben. Murakami versteht es immer, Parallelwelten zu erschaffen, die uns unbekannte Grenzen aufzeigen und das Phantastische verwischt sich mit unserer üblichen Wahrnehmung. Die Auflösung der Realität geht einher mit dem Schweigen des Autors, der uns alleine lässt in seiner phantastischen Welt. Lediglich bis wir weiterlesen dürfen in „Die Ermordung des Commendatore 02 – Eine Metapher wandelt sich“ (Erscheint: April 2018)

Zu den Büchern / Shop:

„Die Ermordung des Commendatore 01 – Eine Idee erscheint“

Die Ermordung des Commendatore 02 – Eine Metapher wandelt sich“

Ab 28. Januar 2018 auf Twitter: Folgt @dumontverlag und dem Hashtag #MurakamiLesen, um sich mit anderen Lesern auszutauschen und noch mehr zu erfahren.

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