Catharina Junk: „Bis zum Himmel und zurück“

Catharina Junk Bis zum Himmel und zurück Kindler Rowohlt

Der neue und somit der zweite Roman von Catharina Junk ist erneut ein leicht zu lesender, tragisch-komischer Familienroman. Er handelt von einer Drehbuchautorin, die ihre Vergangenheit bewältigen und den Scherbenhaufen ihrer zerrütteten Familie und eigenen Beziehung kitten muss. Gleich am Anfang bekommt die Protagonistin den Auftrag, ein neues Drehbuch für eine neuartige Familienserie zu schreiben. Diese solle laut der Produzentin ans Herz gehen, lustig sein und auch die großen Fragen des Lebens stellen. Nicht erdrückend, eher leicht, aber auch mal zum Weinen. Aber bloß keine Klischees solle die Serie beinhalten. Wobei die Produzentin auch gleich wieder sagt, dass Klischees ja auch irgendwie ihre Berechtigung hätten. Diese Wunschangaben für das Drehbuch sind genau die Umschreibungen von „Bis zum Himmel und zurück“. Alles ist da. Es ist gefühlvoll, spielt mit Klischees. ist ein leichter Stoff und dennoch lebensklug. Natürlich steht die Liebe im Vordergrund. Die Spannung baut sich dann auf, wenn diese fehlt. Der Titel stammt von einer spielerischen Frage der Eltern an die Heldin, als diese ein Kind war, wie sehr man sie lieb haben würde. Die Antwort ergibt den Titel des Buches.

Katja lebt in Hamburg und schreibt für eine typische Krimiserie, die einmal in der Woche ausgestrahlt wird, mit zwei weiteren Kollegen am Drehbuch. Die Arbeit ist fast schon stupide und entspricht nicht ihrem ganzen kreativen Können. Besonders wenn der Star der Serie, die alkoholkranke Hauptdarstellerin, sich ständig einmischt. Katja riskiert in ihrem eigenen Leben wenige Gefühle und zieht sich gerne zurück. Auch in ihrer Beziehung mit Ratko, die eigentlich auch keine ist, ist große Liebe nicht vorgesehen. Lediglich ihre beste Freundin, Alexa, scheint sie sehr gut zu kennen. Als Katja eine neue Familienserie schreiben soll, hadert sie mit ihren Ideen und der Handlung, die sie auf einem Apfel-Hof im Alten Land ansiedelt. Sie bekommt vorerst keinen Zugang zu der Serienfamilie, da sie, wie viele Autoren, sich immer ein Stück selbst für die Charaktere öffnen und einbringen muss. Ihre eigene Familie ist nämlich ein Trümmerhaufen. Als sie ein Kind war, hatte sie eine jüngere Schwester, die durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Sie hat wenig lichtvolle Erinnerungen an ihre Kindheit. Die Mutter trank und der Vater war oft in Bremen bei der Arbeit. Da sie zugegen war, als ihre Schwester starb, gibt sie sich bis heute immer noch die Schuld, den Unfall nicht rechtzeitig verhindert zu haben. Dies geschah bei einem gemeinsamen Spaziergang mit dem Familienhund. Katja hat bis heute die Vergangenheit niemals richtig verarbeitet. Auch nicht in der Psychiatrie, wo sie als Jugendliche Alexa kennengelernt hat. Katja hat dem inneren Druck durch eigenes Ritzen ein Ventil geben wollen und benötigte daher ärztliche Hilfe. Dies alles erlebt Katja nicht nur durch das zu schreibende Drehbuch neu, sondern auch durch den Anruf ihrer Mutter aus Italien, wo diese jetzt lebt. Ihr Vater liegt in Bremen in einem Krankenhaus im Koma. Seit der Vater aus ihrem Leben verschwand, hat Katja keinen Kontakt mehr zu ihm. Daher möchte sie ihn auch nicht besuchen. Doch dann steht da plötzlich Katjas junge Halbschwester vor der Tür. Beide wussten bis vor kurzem nichts voneinander. Und wie ein herzlicher Wind wirbelt der Teenager gehörig viele Emotionen in Katjas Leben auf.

Catharina Junk ist durch ihren Beruf ein Medien-Junkie und versteht es, sehr pointenreich viele Anspielungen auf Serien, Hörbücher und Romane einfließen zu lassen. Es sind Verneigungen vor den großartigen dänischen Serien, wie „Borgen“, „Kommissarin Lund“ sowie Anspielungen auf das Beuteltier von Marc-Uwe Kling und ihren eigenen Roman „Liebe wird aus Mut gemacht“ (ehemals „Auf Null“). Es bringt nichts, sich vor der eigenen Geschichte zu verstecken, auch wenn diese unbedingt ein neues Drehbuch gebrauchen könnte.

Ein feiner, leichter Roman mit sehr liebenswerten Figuren. Catharina Junk versteht es als Autorin, Drehbuchautorin und Redakteurin, mich als Leser an ihre Charaktere und Handlung zu binden, als würde man eine gute Serie verfolgen, die man sehr gerne schaut, weil man sich etwas in die Figuren verguckt hat…  Nicht ganz bis zum Himmel und zurück, aber immerhin…

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