Marie Nimier: „Der Strand“

Nimier Der Strand Doerlemann

Eine Frau, die einen abgelegenen Strand aufsucht. Der Ort des Rückzugs bleibt ihr aber verwehrt. Sie findet einen Ort der Begegnungen und als sie den Strand wieder verlässt, ist sie nicht mehr dieselbe.

Die Figuren in diesem französischen Roman bleiben namenlos. Die junge Frau, die sich auf den Weg zum Strand macht, ist und bleibt die Unbekannte. Sie fährt mit einem Bus zu einem verlassenen Strand. Auf dem Weg hat sie sich immer mehr der persönlichen Dinge entledigt. Ihre Ankunft wird immer minimalistischer. Nicht einmal das Nötigste hat sie dabei. Der Strand als Rückzugsort, eventuell sogar als letzter Ort gedacht? Ihre Erinnerung an diesen Strand ist liebevoll. Dort hatte sie eine glückliche Zeit mit ihrem damaligen Freund. Doch hat sich nicht nur die Örtlichkeit verändert. Der Kiosk ist leerstehend und verfallen und trotzdem ist es dort, wie sich später herausstellt, nicht menschenleer. Als sie an ihrem Strand ankommt und badet, beginnt sie ihren Körper wieder bewusster wahrzunehmen. Am Strand ist es für die Unbekannte ein Ankommen mit einem Wunsch nach Abschied.

Die Höhle am Strand, die sie noch von damals kennt und nun aufsuchen wollte, ist bewohnt. Dort sind ein Mann und ein junges Mädchen. Beide ebenfalls Gestrandete. Der Mann wirkt wie ein Koloss, der sich väterlich um das Kind kümmert. Die Unbekannte ist empört, dass ihr stiller Ort von Fremden behaust wird. Sie lebt vorerst versteckt, bis sie beim Obstklau von dem kolossalen und doch gefühlvollen Mann erwischt wird. Langsam versuchen sie sich kennenzlernen. Das Mädchen kindlich spielend, naiv und fast schon leicht der Welt entrückt. Diese drei Menschen am Strand nehmen durch ihre Begegnungen die Welt und sich anders war. Sie schaffen im Anderen eine Veränderung und als die Unbekannte den Strand wieder verlässt ist sie nicht mehr dieselbe.

Ein Roman ohne große Zwischenfälle. Die wärmende Sonne am Strand kehrt zurück in die Herzen der drei Menschen. Mit dem abkühlenden Wetter beginnt die Abreise, die aber in sich eine Hoffnung birgt.

Eine kunstvolle feine Erzählung, die durch ihre Sprache und Bilder nicht nur die Charaktere verzaubert.

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