Verena Carl: „Die Lichter unter uns“

Verena Carl Die Lichter unter uns Fischer Verlag

„Die Lichter unter uns“ erzählt die Geschichte von einer Erschütterung auf Sizilien. Die Protagonisten machen die Erfahrung, dass sie sich nicht mehr als im Lebensmittelpunkt empfinden. Der Titel klingt fast wie ein Urlaubsroman mit einer sommerlichen Stimmung. Doch ist der Roman fern von verklärter Romantik und der Titel und das Empfinden der Hauptprotagonistin erinnern an die „Die Moritat von Mackie Messer“ aus „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht: „Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht und man siehet die im Lichte die im Dunkeln sieht man nicht.“

Anna und ihr Mann machen mit ihren Kindern Judith und Bruno Urlaub auf Sizilien. Vor Jahren verbrachte das Ehepaar dort auch seine Hochzeitsreise. Damals noch in einem sehr guten Hotel in Taormina, das sie sich jetzt nicht mehr leisten können. Seitdem die Kinder da sind, leben sie stets etwas über ihre Verhältnisse. Sie wohnen in Hamburg. Sie ist eine freie Journalistin und ihr Mann hat einen Jahresvertrag bei einer Agentur und hofft bei jeder Verlängerung auf eine Feststelle. Geplant ist ein herrlicher Spätsommerurlaub in dem traumhaften Ort. Doch das satte Grün von damals ist bereits grauer geworden und der Anflug über den Ätna zeigt die dunkle Lavalandschaft. Der Ort ist eines der schönsten Ziele auf der Insel,  am Berghang gelegen mit weitem Blick über das Meer. Doch gerade hier gerät Annas Leben in eine gefühlte Schieflage. Viel Geld haben sie nicht zur Verfügung und es rinnt Anna, die ihrem Sohn auch etwas bieten möchte, schneller als gedacht aus den Händen. Denn es ist Bruno, der mit ihr die meiste Zeit verbringt. Judith, die Tochter, ist ganz auf den Vater fixiert und beginnt bereits zu pubertieren. Kein Ausflug scheint sie zu interessieren und sie quengelt so sehr, dass die Familie meist in zwei Gruppen ihren Tag verbringt. Die Tochter braucht stets ihren Vater, der alles mit einer stoischen Geduld erträgt. Anna benötigt die Sorglosigkeit ihres Sohnes und beneidet ihn darum. Am Strand beobachtet sie weitere Touristen. Es sind Alexander, sein Sohn und eine junge Frau. Anna beobachtet Alexander, weil er aus ihrer Sicht das sorglose und leichte Leben führt, dass sie sich erträumt.

Alexander hat während einer Vorsorgeuntersuchung die Klinik in Berlin verlassen. Seitdem bangt er um seine Gesundheit. Sein Sohn, der in Mailand studiert, ist mit nach Taormina gereist, um mit seinem Vater und der neuen Frau an dessen Seite eine gemeinsame Zeit zu verbringen. Er verbirgt seine Lebensentscheidungen vor seinem Vater, solange dieser den Geldhahn für ihn offenhält. Das Sorglose, wie es Anna in der Reisegruppe um Alexander sieht, ist nur eine Wahrnehmung von ihr. Viele Ausflüge, Shoppingtouren, Strandaufenthalte und gemeinsame Essen lassen langsam das ganze Bild der jeweiligen Charaktere, die auf der Vulkaninsel verweilen, entstehen. Nicht nur die Steilküste gibt den Figuren das Gefühl abzurutschen. Die jeweiligen Höhe- und Wendepunkte erlebt Alexander mit seinem Sohn auf dem Ätna und Anna und ihre Familie während eines Ausflugs nach Syrakus.

(Fotos: Hauke Harder)

Ein Urlaubs-, Frauen- und Entwicklungsroman, in dem es um die persönlichen Erwartungen geht. Wovon man träumte, was im Leben man davon umsetzen konnte oder kann. Was macht ein glückliches Leben aus und sind die anderen, die glücklich wirkenden, tatsächlich glücklicher und besser gestellt als ich?

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Verena Carl: „Die Lichter unter uns“

  1. Deinen Bildern nach zu urteilen könnten wir zusammen Urlaub gemacht haben 🙂 Vielen Dank für den Buchtipp, das kommt auf die Liste.

  2. Ruth Leukam

    Hallo, ich bin gerade mitten in der Lektüre von „Die Lichter unter uns“ und sehr begeistert. Der Roman ist als Urlaubsbuch ideal für Leute, die sich nicht unter Niveau unterhalten lassen möchten. Sehr zu empfehlen!

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