Sebastian Barry: „Tage ohne Ende“

Sebastian Barry Tage ohne Ende Steidl

Ein außergewöhnlicher Western. Außergewöhnlich nicht allein deswegen, weil ein irischer Schriftsteller einen geschrieben hat, sondern auch, weil er großartig erzählt ist. Ein lyrischer Western, der aus der Sicht des irischen Einwanderers Thomas McNulty erzählt wird. Er ist alt und blickt auf sein Leben zurück. Er erzählt raubeinig, roh und geradeheraus. Er erzählt sein Abenteuer, seine Liebe und viel über den Krieg, der überall und gegen jeden geführt wurde. Krieg gegen die Indianer und der Unionisten gegen die Konföderation. Alles ist Kampf, auch das Überleben. Doch hat Thomas eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die gerade bei seiner Liebe zu John Cole zur Geltung kommt. Ein homosexuelles Westernpaar gab es bereits bei Annie Proulx, doch ist diese in „Tage ohne Ende“ fast unbemerkt nebensächlich.

Als er Missouri erreicht, ist er noch ganz jung. Er ist mit seiner Familie vor der Hungersnot in Irland geflohen. Er überlebt die Überfahrt, die Fieberhütten und reist von Kanada schließlich nach Missouri. Seine Rettung ist das Finden eines guten Freundes. John Cole, auch fast noch ein Kind, ist ebenfalls auf Wanderschaft. Bei einem Wolkenbruch begegnen sich beide unter einer Hecke und gehen seitdem stets gemeinsame Wege. Einem Anschlag folgend: „Saubere Jungs gesucht“ finden sie ihren ersten Job. In einem Saloon, der von Bergarbeitern aufgesucht wird, treten sie als Tanzmädchen auf. Denn das Leben ist überall schmutzig und scheußlich. Die groben und einfachen Bergarbeiter, von denen nur wenige mehr als Dreck finden, sind die Jungs eine gelungene Abwechslung. Doch werden aus den Jungs immer mehr Männer und besonders für John Cole, der immer größer wird, wird es immer schwieriger in Frauenkleider zu schlüpfen, um das weibliche Geschlecht zu mimen. So verlassen die beiden das Örtchen Daggsville und wollen sich bei der Armee melden. Nach der Ausbildung geht es auf den Oregon Trail in Richtung Kalifornien. So stolpern die beiden in Feldzüge gegen die Indianer und in den amerikanischen Bürgerkrieg. Neben der Jagd und den Kämpfen finden Thomas und John immer mehr zueinander. Im Gemetzel oder bei der Hungersnot geht es für beide immer ums einfache Überleben. Thomas bleibt stets ein Optimist und das große Glück finden sie in ihrer indianischen Adoptivtochter.

Ein amerikanischer Roman von einem großen Schriftsteller aus Irland. Die Geschichte Nordamerikas mal ganz anders und literarisch erzählt. Ein unterhaltsames, fast schon unvergleichliches Leseerlebnis in der Westernliteratur.  Besonders auffallend ist die rohe, faszinierende Sprache des Helden, der uns einen Blick in seine Seele und in die von Amerika gewährt.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Eine Antwort zu “Sebastian Barry: „Tage ohne Ende“

  1. Der Roman liegt schon bereit. Ich bin sehr gespannt. In der letzten Zeit habe ich sehr Gefallen an Geschichten aus der Geschichte Amerikas gefunden, als Buch oder als Film. Zuletzt sehr gern gelesen: „Äquator“ des Franzosen Antonin Varenne. Bericht folgt. Viele Grüße in den Norden

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