Joey Goebel: „Irgendwann wird es gut“

Joey Goebel Irgendwann wird es gut Diogenes

Manche Autoren könnten Rockstars sein. Man freut sich auf das neue Buch wie auf eine neue Platte. Joey Goebel ist so ein Autor und ein großartiger Erzähler. Sein neuestes Werk kann man auch als eine Art Konzeptalbum beschreiben. Jeder „Song“ steht für sich und zusammen ergeben die einzelnen Kapitel dann einen Roman. Der Vergleich kann auch inhaltlich bestehen bleiben, denn in den Texten verweben sich immer wieder Anspielungen auf großartige Alben und ihrer Künstler. Von den Ramones, Nirvana bis hin zu Thelonious Monk.

Der rote Faden der Handlung ist das Gefühl des Abgeschnittenseins. Alle Protagonisten empfinden eine Einsamkeit und leben isoliert. Als würden sie in einer Seifenblase, in ihrer eigenen geschaffenen Welt leben. Doch versuchen alle, diese Membran, die sie von der Außenwelt trennt, zu durchbrechen. Sie sehnen sich nach Zusammengehörigkeit, Liebe und Anerkennung. Der Ruf nach draußen erfolgt meist leise, in ersten kleinen Bewegungen. Mal per E-Mail oder in einem Hotel am Pool mit der Einladung zu einem Bier. Doch oft sind die Charaktere so in ihrer Einsamkeit gefangen, dass sie bei den Versuchen scheitern. Aber dennoch geben sie niemals auf. Alle hegen in sich einen Keim der Hoffnung auf Zweisamkeit.

Joey Goebel schreibt einen Kleinstadtroman, der sich durch die einzelnen Kapitel entfaltet. Es ist ein Kosmos, der immer atmosphärischer wird und an die Werke von Richard Russo erinnert. Die Geschichten sind einfühlsam und lakonisch erzählt. Der Versuch, der Einsamkeit zu entkommen, wirkt oft komisch, ist einzigartig aber auch melancholisch. Joey Goebels Satire bleibt erstmals sehr viel stiller als seine bisherigen Werke, eventuell weil Amerika die literarische Satire an die Wirklichkeit abgeben musste.

Am Anfang lernen wir einen Mann kennen, der auf seine Angebetete wartet, während er sich seine Drinks genehmigt. Diese tritt dann auch auf und er führt mit ihr einen inneren Monolog. Sie ist jeden Abend pünktlich bei ihm und allen anderen der Kleinstadt. Denn sie ist die Nachrichtensprecherin, die ihm im Fernsehen jeden Abend begegnet. Er ist verliebt und beginnt den Versuch, sie in der Realität zu treffen. Doch dabei bekommt er einen weiteren, nerdigen Mitverliebten als Mit- bzw. Gegenspieler. Unser Held hat einen einfachen Job, möchte aber mit seinen Drehbüchern erfolgreich werden. Sein bisheriges Werk steht Pate für alle kommenden Geschichten. Das Drehbuch handelt von einem Protagonisten, der keine Freunde hat und ständig in seinem Auto sitzt. Er erlebt das Leben durch die Windschutzscheibe. Einer Frau geht es ähnlich und das Drehbuch endet so, dass nun beide in seinem Wagen sitzen und die Welt lediglich durch Glas sehen und empfinden.

Eine weitere Geschichte erzählt von einer Lehrerin. Da ihr Mann im Gefängnis ist und sie dasselbe Schicksal ihren Schülern ersparen möchte, bietet sie sich als Fahrhilfe bei feuchtfröhlichen Partys an.  Eine Punkband hat ihren ersten Auftritt und der schüchterne Sänger erlebt den Rausch vor dem Publikum und träumt sich dann später einsam in seinem Bett in eine bessere Welt. So ergeht es allen Hauptfiguren in den Texten. Sie sehnen sich nach einer anderen Wirklichkeit und nach Geborgenheit innerhalb einer Gemeinschaft. Sie suchen den Kontakt zu anderen Menschen und scheitern meist an sich selbst. Sie erleben die Welt durch eine Glasscheibe und treten unermüdlich auf diese trennende Membran ein, um die äußere Welt in ihr Innerstes einzuladen oder anders herum.

Ein Buch, das uns zeigt, dass immer Hoffnung besteht, dass es irgendwann gut werden könnte. Ein großer Roman voller subtilem Humor, Feingefühl und sehr lebendigen Figuren. Es ist ein Roman aus einzelnen Geschichten. Es gibt viele kleine Andeutungen und Charaktere tauchen wieder in folgenden Kapiteln auf. Alles steht in Bezug zueinander. Ein Buch, in dem man, sollte es man erneut lesen, bestimmt noch weitere kleine versteckte Hinweise finden könnte. Eventuell ist es eines der stärksten Werke von Joey Goebel.

Abgerundet wird das Buch von einem exklusiven Interview, das Benedict Wells mit Joey Goebel geführt hat.

Zum Buch in unserem Onlineshop

3 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

3 Antworten zu “Joey Goebel: „Irgendwann wird es gut“

  1. Ich freue mich auch schon sehr auf das Buch, weil ich Goebel seit Vincent einfach nur liebe. Aber im Moment arbeite ich noch am gigantischen SuB 😉

  2. Pingback: Blogbummel Februar 2019 – buchpost

  3. Pingback: Joey Goebel: Irgndwann wird es gut – Esthers Bücher

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