Tadeusz Dąbrowski: „Eine Liebe in New York“

Tadeusz Dabrowski Eine Liebe in New York Schöffling

Dies ist mal so ein ganz anderer Liebesroman. Das Buch bietet eine Mischung aus derben und feinfühligen Gedankenspielen. Tadeusz Dąbrowski beschreibt eine männliche Sicht auf die Gefühle seines Protagonisten und umkreist damit die Rätsel, die die Liebe beinhalten kann. Der Text bleibt stets einfühlsam, lyrisch und voll herzlichem Charme und Witz.

Die Handlung könnte innerhalb weniger Sätze erzählt werden und doch hat der Roman viel zu erzählen. Das Zwischenmenschliche wird ohne Kitsch, dafür mit viel Wahrhaftigkeit erfasst und in Sätze gekleidet, die es verstehen, im Leser etwas nachklingen zu lassen. Mit viel Gespür und der passenden Sprache hat Tadeusz Dąbrowski ein Werk geschaffen, das sich als Liebesroman bezeichnen lässt, aber dann doch auch irgendetwas ganz anderes ist. Tadeusz Dąbrowski ist ein renommierter polnischer Lyriker, der hiermit seinen Debütroman geschrieben hat.

Das Buch bedient niemals den süßen Kitsch, wobei es sich dann doch der Klischees bedient: Das Spiel des Kennenlernens, das Verlangen, die gebildeten Vorurteile, die wachsende Begierde, der Verlust und dann doch und immer wieder die Liebe. Aber das alles in so ganz anderer Art, dass es Spaß macht, dem Text und den Figuren durch New York zu folgen.

Der Erzähler ist gleich dem Autor ein polnischer Lyriker. Er befindet sich gerade auf Lesereise und gastiert in New York. In einer U-Bahn trifft er auf eine Architektin. Sie kommen durch das Buch, das er dabei hat, ins Gespräch. Ihr Name ist Megan und sie hat ein reges Interesse an Kunst. Doch sieht er in ihr lediglich das, was er zu sehen bereit ist. Für ihn ist sie eine typische Amerikanerin: Blond, jung und oberflächlich. Die ehelichen Verbindungen stehen ihnen irgendwie nicht im Weg und er beginnt sein Spielchen. Es reizt ihn, diese junge, blasse und hübsche Frau zu erobern. Er will ein erotisches Abenteuer. Je näher sich beide kommen, desto mehr empfindet er. Er fühlt sich magisch von ihr angezogen. Zuerst hat er in ihr nur die oberflächliche Frau gesehen, die es zu erobern galt. Dabei ist er es gewesen, der durch seine Coolness und Begierde nur an der Oberfläche gekratzt hat. Sie verleben einen berauschenden Abend mit gutem Essen, viel Alkohol und erleben das New Yorker Nachtleben. Als er seinem Ziel nahe gekommen ist, verflüchtigt es sich auch wieder. Seine Lesereise geht weiter. Aber es kommt zu einem erneuten Zusammentreffen, denn er will und muss sie einfach wiedersehen. Doch hat er auch ein Leben und eine Familie in Polen.

Der Reiz ist die Wandlung eines Mannes, der vorurteilsbelastet in die Beziehung taumelt und sich dann verliebt und seinen Gefühlen Ausdruck geben will. Sein Herz wurde erobert, d.h. berührt. Er sucht und braucht ihre Nähe und Zuwendung. Doch wissen wir, dass er den am Anfang beschriebenen metaphorischen Wasserfall herabgestürzt ist. Er schreibt nun seine Geschichte und therapiert sich damit selbst. Megan ist Literatur geworden. So steht, wie am Anfang, auch gegen Ende ein Buch im Vordergrund. Sie hat ihm ein Buch geschenkt, das sie bewegt hat. Auch hier hadert er mit dem Gehalt des Inhalts, sieht dann doch, es geht um das Leben –  um sein Leben? Und was ist das überhaupt, das Leben und die Liebe?

Ein Roman über Liebe, Begierde und Wirklichkeiten. Mit einer besonderen Sprache wird von der Liebe erzählt, die intensiver wird, wenn sie sich zu verflüchtigen droht.

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