Sarah Kuttner: „Kurt“

Sarah Kuttner Kurt Fischer

„Kurt“ erzählt von einer komplizierten Familie, die mit einem großen Verlust zu leben hat und wieder lernen muss, ins Leben zurückzufinden.  Stück für Stück finden die Protagonisten Trost und lernen, mit dem Schmerz zu leben. Es ist der Blick auf das Schöne im Leben, der sie aufrichtet. Manchmal genügt eine Kleinigkeit. Ein Pflanze zum Beispiel, die hilft, den Verlust zu begreifen und zu verarbeiten.

Sarah Kuttner hat es wieder geschafft. Mit ihrem neuen Roman schaut sie tief in die Psyche ihrer Charaktere. Die schweren Themen, die Kuttner in ihren Büchern anpackt, bekommen durch ihre Art zu schreiben neben der Melancholie eine Leichtigkeit und sogar viel Witz. Ihre Geschichten und Figuren sind authentisch und werden durch den Text sehr erfahr- und erlebbar.

Das Besondere an dem Buch ist die persönliche Bindung, die der Leser mit den Charakteren eingeht. Die Protagonisten sind sehr einfühlsam beschrieben und man schließt den kleinen Kurt gleich am Anfang sehr ins Herz und leidet demzufolge in der folgenden Handlung sehr mit.

Kurt wächst auf in einer Patchwork-Familie. Die Erzählerin ist Lena, die neue Lebenspartnerin von Kurts Vater, der ebenfalls Kurt heißt. Lena lebt mit und liebt also neuerdings zwei Kurts. Lena und der große Kurt haben sich in Brandenburg ein Haus gekauft. Ein Haus, in dem Kurt sein eigenes Zimmer bekommt und eine Garten hat zum Toben und spielen. Lena, die Stadtpflanze, muss sich mit der neuen Umgebung erstmal anfreunden und an die neuen Familienverhältnisse gewöhnen. Sie sind gerade frisch umgezogen und es stehen noch einige Kisten nicht ausgepackt im Haus. Vieles fehlt noch und muss renoviert werden. Doch finden die drei irgendwie ihr Glück. Besonders im Garten blüht Lena auf. Auch der kleine Kurt möchte mithelfen und die neuen Pflanzen, besonders den Jasmin, selbst einpflanzen. Als er gerade dabei ist und mit seiner Kinderschaufel das Loch gräbt, kommt Jana, seine leibliche Mutter, und möchte ihn abholen. Dabei sieht sie seine Kinderschaufel und findet diese zu mädchenhaft für einen Jungen. Doch ist es der kleine Kurt, der seiner Mutter sofort Nachhilfe in Genderfragen gibt.

Dann passiert das Unfassbare. Es trägt auch keiner die Schuld. Es ist ein Unfall, den niemand hätte verhindern können. Beim Spielen auf einem Klettergerüst stürzt Kurt und bricht sich das Genick. Die Erwachsenen, die zwei Mütter und der große Kurt, müssen jetzt lernen, mit dem Verlust zu leben. Aber wie stellt man das an? Wie findet man einen Weg aus der Trauer? Kann man wieder ins eigene Leben zurückfinden? Lena ist die Beobachterin, die ihren Schmerz hintenanstellt. Sie ist ja die neue Mutter und nicht die „echte“, daher gibt sie ihrem Freund Kurt und Jana den entsprechenden Raum, ihren Verlust und Schmerz zu verarbeiten. Doch hat Lena ebenso den kleinen Kurt verloren und muss auch ihren Weg finden, damit zurechtzukommen. Lena ist für Kurt da, auch wenn er vorerst untröstlich ist.

In unaufgeregter Weise beschreibt Sarah Kuttner, wie man sich nach so einem großen Verlust wiederfinden kann. Sie versteht es, der Tiefe einen Hauch von Leichtigkeit und Witz zu geben, der die tragischen Momente im Leben der Charaktere erträglich macht. Nach ihrem vorherigen Roman „180 Grad Meer“ hat Sarah Kuttner sich gesteigert. Besonders die Trauer und Verzweiflung nimmt man den Figuren jederzeit ab und der ganze Weg, den diese zu gehen haben, ist sehr nachvollziehbar beschrieben.

Siehe auch meine Besprchung: „ Sarah Kuttner: 180 Grad Meer

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