Tom Perrotta: „Mrs Fletcher“

Tom Perrotta Mrs Fletcher dtv

Wie schnell kann man sich eine neue Identität geben? Schnell ist eine erdacht und schnell lebt diese in der Phantasie, doch wie weit kann diese im eigenen Leben lebendig werden? Tom Perrotta hat mit Mrs Fletcher eine Figur geschaffen, die sich neu erfinden möchte und mit ihrem noch geheimen Ich ihr bisheriges Leben durcheinanderwirbelt.

Tom Perrottas Romane sind schon öfter Vorlagen für Filmadaptionen gewesen und auch „Mrs Fletcher“ läuft 2019 als HBO-Serie. Der Roman, der von Johann Christoph Maass übersetzt wurde, erzeugt eine gewisse Faszination. Die Figuren und die Handlung sind humorvoll, regen an, schaffen eine Neugier, sind aber auch teilweise vorhersehbar, d.h. schablonenhaft. Es ist ein Roman über die Möglichkeit, ein neues Leben zu führen bzw. seine Position im Leben zu finden und zu bestimmen.

Eve Fletcher lotet mit 46 Jahren ihr Leben neu aus. Auch ihr Sohn muss sich seinen Weg ins Leben bahnen, d.h. diesen finden. Dabei treffen beide auf unterschiedliche Menschen, die Ihnen dabei behilflich sein können und sind. Menschen, die aber meist auch oft in der Selbstfindungsphase sind und mit ihrem bisherigen Lebensstil hadern. Die Menschen, die in sich ruhend sind, laufen vorerst an den Protagonisten vorbei.

Der Roman beginnt mit dem Auszug von Brendan. Eve ist alleinerziehende Mutter und packt gerade den Wagen, damit sie ihren Sohn zum College fahren kann. Brendan hat sich das College aufgrund der dortigen Feiermöglichkeiten ausgesucht und ist selbst heute, am Tag der Abreise, verkatert und überlässt seiner Mutter das Packen. Als die Ex-Freundin ihres Sohnes auftaucht, muss Eve erleben, wie ihr Sohn Frauen behandelt. Doch zu einer Aussprache kommt es dann doch nicht und Eve lädt ihren Sohn später am College ab, wo er lernen muss, was es heißt erwachsen zu werden. Seine Abenteuer, die er dort im Zwischenmenschlichen erlebt, sind nicht alle sehr glorreich.

Mrs Fletcher, d.h. Eve, ist nun allein zuhause und reflektiert ihr Leben. Sie will ab sofort ihre Rolle neu definieren und möchte ihr wahres Ich finden und dieses Leben. Sie möchte mehr wagen, sie möchte sich sexuell ausleben – weiß aber noch nicht wie. Auf diesem Weg trifft sie auf neue und alte Freunde, die ihren Weg begleiten. Ihre Arbeit in führender Position in der geriatrischen Betreuung erfüllt sie anscheinend nur begrenzt. Sie verlangt vom Leben etwas mehr, sie möchte mehr erleben – nur was und wie?

Ein Roman voller Sex, Begehren, Elternschaft und sich in der Welt finden und definieren. Das Leben, die Liebe und irgendwie alles Drumherum werden für die Protagonisten ein Abenteuer, das sie nicht immer wie Helden erscheinen lässt. Eine Lektüre über Identität und sexuelle sowie kulturelle Unsicherheiten.  Die selbst auferlegten Grenzen können überschritten werden, besonders in der Phantasie. Aber diese Übertritte können auch Gefahren beinhalten. Tom Perrotta eröffnen diese Grenzüberschreitungen Möglichkeiten, die er seine Figuren in dem vorliegenden Buch durchspielen lässt.

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