Thomas Verbogt: „Wenn der Winter vorbei ist“

Thomas Verbogt Wenn der Winter vorbei ist Oktaven Freies Geisesleben Urachhaus

Ein stiller, langsamer Roman, der nicht nur durch die Handlung und Sprache zum Verweilen, Nachdenken und Festhalten anregt. Ein Spiel zwischen Wahrheit und Wirklichkeit. Was hat im Leben tatsächliche Bedeutung? Was berührt uns so sehr, dass es im Leben beständige Bedeutung hat? Wie weit haben Erinnerungen einen Einfluss auf die Gegenwart und wie lange sollte man an diesen beharrlich festhalten?

Der Roman wurde aus dem Niederländischen von Christiane Burkhardt übersetzt und war bereits für viele Preise nominiert. Der Autor schreibt zart, melancholisch, leichtfüßig, fast schon poetisch cineastisch und setzt sich mit einem Jugendereignis auseinander, dass den Protagonisten bis in sein späteres Leben hinein beeinflusst und sogar verändert.

Der alternde Schriftsteller Thomas hat eine neue Liebe im Leben gefunden und möchte mit dieser zusammenziehen. Vor dem Umzug ordnet er seine Sachen und mistet aus. Dabei werden seine Erinnerungen geweckt. Es sind Fragmente aus seiner Kindheit und besonders auf seinem Weg zum Erwachsenwerden. Auch reicht ab und zu ein kleiner Songschnitzel, um ihn in seine Vergangenheit zu katapultieren. Er erlebt das Abgelegte in dem Erzählzeitraum intensiver als seine Gegenwart. Dies ist einer seiner Charakterzüge, der ihn seit seiner Jugendzeit prägt. Er hat Schwierigkeiten sich zu öffnen, sich von Menschen oder Begebenheiten berühren zu lassen. Erst der Blick zurück, ermöglicht ihm das Erfassen. In seiner Kindheit war der schmerzhafte Verlust seiner Adoptivschwester ein prägender Moment. Seine Freundschaften und Beziehungen gestalten sich stets schwierig. Seine ersten Versuche in der Liebe scheitern, weil er es nicht zulassen kann, geliebt zu werden. Er wagt es nicht, sich berühren zu lassen. An der Schwelle zum Erwachsenwerden schafft es ein jüngeres Mädchen, ihn zu wecken. Durch zwei zarte, unschuldige Küsse wird er endlich, aber nur kurzfristig, aus seiner Schutzschicht, aus seinem seelischen Eis befreit.

In der Gegenwart muss Thomas lernen, was ihn wirklich ausmacht und was ihm im Leben wichtig ist. Ein Abwägen von Festhalten und Loslassen, im Gegenständlichen, aber auch in den Emotionen. Sein bisheriges Dasein wurde durch Scham und introvertierte Hemmnis geprägt. Erst als ihn immer mehr Dinge im Leben zu berühren scheinen und er immer wieder an Linn, das damalige Mädchen, denken muss, beginnt er sich für seine Wirklichkeit zu öffnen.

Ein leichter, schöner Roman über die entscheidenden Dinge im Leben. Ein Roman, der uns zeigt, dass alles, was uns berührt oder bewegt, wichtig ist. Seien es noch so kleine oder stille Momente, die auch diesen Text ausmachen.

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