Katrin Seddig: „Sicherheitszone“

Katrin Seddig macht das Politische familiär und beobachtet, wenn gesellschaftliche Unruhen sich auf die Straße bewegen und zu eskalieren drohen. Was passiert im kleinen menschlichen Umfeld, am Beispiel einer Familie, wenn diverse Meinungen, Gedanken und Lebensansichten gelebt werden und sich auf offener Straße begegnen. Der Roman hat als Mittel- und Wendepunkt den G20-Gipfel in Hamburg, ist aber viel mehr als eine Beobachtung oder Auseinandersetzung mit der damaligen Eskalation. Familie als Bild des Zusammenhalts kann durch persönliche Wendungen, aber auch durch äußere Umstände ins Bröckeln geraten.

Ein Familienroman, der besonders durch die Figuren fesselt. Diese wachsen einem mit jeder Seite mehr ans Herz. Mit diesen wenigen Charakteren kristallisiert sich ein komplexes Gesellschaftsbild heraus. Die Familie vertritt unterschiedliche Bewegründe und Meinungen. Sie werden durch private Veränderungen und besonderes durch den anstehenden Gipfel mit existentiellen Fragen konfrontiert. 

Es ist die Familie Koschmieder, die in Hamburg-Marienthal wohnt. Die Großmutter, Thomas Mutter, ist als Flüchtling von Ostpreußen nach Hamburg gekommen. Thomas wohnt neuerdings in der ausgebauten Wohnung über der Garage. Er meint, sich neu verliebt zu haben, traut sich aber nicht, einen gänzlichen Schlussstrich zu ziehen, lässt sich sogar von seiner Frau noch die Hemden bügeln. Imke, die jüngste Tochter, geht noch zur Schule und stößt als Teenager in die Gruppe „Jugend gegen G20“. Dabei kommt es hier vorerst auf ein Dagegen an. Die ersten Treffen sind spielerisch und nicht jeder weiß, wogegen man wirklich ist und warum. Alexander, ihr Bruder, ist Polizist und hat demnach seine eigene Meinung und steht zu seiner Pflicht. Natascha beobachtet ihren Mann, der noch auf demselben Grundstück wohnt, aber nicht mehr in denselben Räumen. Je näher der Gipfel, der bundesweit für Schlagzeilen sorgen wird, an das familiäre Geschehen rückt, desto klarer werden die Linien, die Brüche und Standpunkte. Die Gewalt auf der Straße eskaliert und die Familie gerät frei- oder unfreiwillig in diesen Strudel.

Es sind die Charaktere, die diese Geschichte mit Leben füllen und glaubhaft werden lassen. Wir alle kennen die Bilder des Gipfels, der Demonstrationen und der ausbrechenden Gewalt. Doch nun ist eine literarische Familie aufgetaucht, die sich genau in die Mitte dieses Wirbels setzt. Die rebellierende Tochter und der einfühlsame Bruder als Polizist als ein Beispiel dieser Gegenbilder und gesellschaftlichen Stellungen. Dabei ist dieser Roman viel komplexer als dieses Beispiel und beschreibt die Menschen nahbar. Sehr einfühlsam und umfangreich werden die Protagonisten aufgebaut und dem Leser immer vertrauter. Dies ist eine der großen Stärken dieses Romans, der begeistert und die neueste Geschichte ohne Wertung erfahrbar macht.

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