Jürgen Meier: „Wöbkenbrot und Pinselstrich“

Der Roman erzählt die Geschichte zweier Familien von der Kaiserzeit bis zu den Studentenbewegungen der Nachkriegszeit. Anhand dieses literarischen Einblicks in die einzelnen Schicksale werden wir Zeugen der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts und somit kristallisiert sich auch unsere aktuelle Geschichte heraus. Es beginnt bei den patriotischen und nationalsozialistischen Ideologien in der Gesellschaft des vorherigen Jahrhunderts und endet mit der Generation, die sich von dieser menschenverachtenden Weltanschauung  und der Verblendung lösen möchte. 

Es beginnt 1910 und Johannes Becker beginnt in Chemnitz sein Ingenieursstudium. Voller Tatendrang und Ehrfurcht zieht er in seine neue Umgebung. Als Student lernt er schnell und macht innerhalb der Burschenschaft von sich hören und wird zügig einer der Bundesbrüder. Johannes, der sein Studium zügig absolviert hat, darf sich nicht, wie er es sehnlichst wünschte, dem Heer anschließen. Ingenieure werden für die Planung der Kriegsmaschinerie benötigt. Auf einer Rückreise von einem Vortrag lernt er Hulda Koch kennen. Sie wird von ihm schwanger und versucht dieses vorerst vor ihm geheim zu halten, doch greift ihr Vater ein und somit kommt es zur Ehe. Sie wendet sich in Folge aber von Johannes ab, da er zunehmend der Ideologien der Nationalsozialisten folgt.

Familie Meyer in Ostwestfalen ist die zweite Familie, deren Schicksal beschrieben wird. Karl bereichert sich am jüdischen Eigentum und sein Sohn, Gottfried, folgt seiner Verblendung für Hitler. Der Wunsch, der in seinem Namen keimt, ist somit nicht gesät. Später lernt er Ingeborg Becker kennen, die Tochter von Johannes. Der Krieg und die Nachkriegszeit lassen die Charaktere unverändert zurück. Gottfried bleibt geprägt durch die nationalsozialistischen Ideologien. Der Krieg, die Gewalt, der Hass und die Massenvernichtungen haben ihn nicht verändert. Er hat aus der menschenverachtenden Zeit keine Lehre ziehen können. Sein Sohn, Georg, wird es sein, der sich aus dem Sumpf der Vergangenheit lösen möchte. Georg sieht die große Schuld und schließt sich der jungen Generation an, die sich und die Gesellschaft von den braunen Ideologien befreien will.

Der Roman zeigt die individuelle Verstrickung zweier Familien im vergangenen Jahrhundert. Der Blick zurück verweist auf unser Jetzt. Der Roman ist tiefgründig, spannend und gut geschrieben. Die Figuren erlangen eine Plastizität und spiegeln durch ihr Handeln einen ganzen gesellschaftlichen Werdegang.

Der Hildesheimer Autor Jürgen Meier arbeitet in einer Werbeagentur ist Journalist und Autor. Von ihm liegen Buchveröffentlichungen und Theaterstücke vor. Für den NDR und MDR hat er einige Dokumentarfilme gemacht. Mit „Wöbkenbrot und Pinselstrich“ hat er einen toll geschriebenen, spannenden und historischen Familienroman veröffentlicht.

Siehe auch: „Wöbkenbrot und Pinselstrich“ – Lesung und Gespräch  im Rahmen von Leipzig liest extra (YouTube)

Zum Buch in unserem Onlineshop

Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Jürgen Meier: „Wöbkenbrot und Pinselstrich“

  1. Feiner Tipp, merke ich mir. Danke Dir, Hauke! Euch ein schönes WE. 🙂

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