Wolfgang Schiffer: „Dass die Erde einen Buckel werfe“ (Gedichte)

Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Mal keine Übersetzung von Wolfgang Schiffer, sondern ein kleines Büchlein von ihm selbst. Eine lyrische Reise in seine Erinnerungen. Die Retrospektive beinhaltet seine Kindheit und sein Blick wandert dabei von seinen Eltern zu den sozialen Umständen in der Gegenwart. Die Liebe zur Landschaft und der Natur prägten ihn wie auch seine Leidenschaft zur Sprache. Die Kraft des Wortes, das Wissen, Emotion und Bilder aus dem Nichts heraufbeschwört, ist sein Handwerk, das er stets gekonnt einzusetzen versteht und in Kunst verwandelt.

Wolfgang Schiffer studierte Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften. Er arbeitete beim Rundfunk und hat Hörspiele, Romane, Bühnenstücke und Lyrik verfasst. Er ist als Herausgeber und Übersetzer tätig und sein Augenmerk liegt in der isländischen Literatur und Lyrik. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir Zugriff auf zeitgenössische isländische Lyrik erhalten.

Mit seinem aktuellen Werk „Das die Erde einen Buckel werfe“ lässt er einen Blick in seine Welt zu. Ein kleines Werk, das mehrfach gelesen immer mehr preiszugeben vermag. Seine Hingabe zu den Landschaften, die ihn prägten, sei hier genauso zu erwähnen, wie seine Liebe zu seinen Eltern. Das bescheidene und einfache Elternhaus wird in seinen Erinnerungen im Café sitzend sehr lebendig. Er genießt den Augenblick und lässt seinen Gedankenfluss zu, den er lyrisch fixiert. Mit ihm wandern wir durch die Zeit. Eine Zeit, die sein Leben umkreist, aber innerhalb einer Woche festgehalten ist. Die sieben Kapitel sind den Wochentagen zugedacht. Und der Alltag wandert von Montag zu einem festlicheren Sonntag. Am Anfang steht stets ein kleiner Text, der einen Blick auf die Situation verschärft, aber in der Prosa bereits schöne Poesie versprüht. Darauf folgt für jeden Tag die sogenannte Wochenkarte, in der die möglichen Tagesmahlzeiten die Lebenssituation klanglich beschreiben. Da ihm die Muttersprache fehlt, gibt es die Wochenkarte stets in einer hochsprachlichen Version und in einer muttersprachlichen Rekonstruktion. Wobei sich die Frage stellt, ob in Bezug zum Inhalt nicht auch eher von Vatersprache die Rede sein sollte. Seine Erinnerungen sind durchdrungen von Liebe und erklingen freudig, aber auch schmerzvoll.

Sein Blick wandert vom Privaten in das Umfeld. Der Augenblick geht vom Inneren in das Äußere und erhält etwas Melancholisches, Verzweifeltes und dezent Wütendes. Er betrachtet unser menschliches Miteinander und unseren Umgang mit der Natur. Er stellt unter anderem in seinem Lamento und Eingeständnis folgendes fest: „wann endlich werden wir einsehen / dass die Angst vor dem Untergang des Menschen geringer sein sollte als die Angst vor der Aussicht / dass er überlebt.“ Doch letztendlich blickt Wolfgang Schiffer bei seinen Betrachtungen auch in den Spiegel. Dabei verliert er niemals seinen Glauben an die Kraft des Wortes und der Sprache. Der Ausdruck ist stets das Licht in der Lyrik. Die Form gibt Halt für einen Inhalt, der zum Nachsinnen und Nachfühlen einlädt. Ein wunderbarer Leseschatz.

Wer mehr von Wolfgang Schiffer nach der Lektüre sehen oder hören möchte, kann ihn auf Leseschatz-TV erleben:

und

Ein Hörtipp: „Das Alphabet des Feuers“ CDs . Wolfgang Schiffer liest Gedichte aus Island. Ein Wort- und Klangerlebnis.

3 Kommentare

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3 Antworten zu “Wolfgang Schiffer: „Dass die Erde einen Buckel werfe“ (Gedichte)

  1. Klingt wirklich nach einem „Leseschatz“ – ob ich darin auch was über Prag finde?
    Gruß von Sonja

  2. Wolfgang Schiffer

    Lieber Hauke, von Herzen Dank! Deine Würdigung überwältigt mich!

  3. Pingback: Ein sympathisch-melancholisches Kompendium | Wortspiele: Ein literarischer Blog

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