Marlen Schachinger Hrsg.: „Wort an Wort: Berührung“

Eine Anthologie mit Kurzgeschichten, die kunstvoll die Welt neu ausloten. Literarische Berührungen, die uns Wort für Wort unsere alltäglichen Lebenswelten am Beispiel eines Dorflebens aufzeigen. Lebenswelten, die in der Jetztzeit sehr fragil geworden sind. Dorf- und Landflucht stehen dem Wachstum der Städte gegenüber. Das Dorf als heimelige Metapher. Doch was ist Heimat? Acht Autorinnen und Autoren blicken in das Dörfliche, in dem sich das Weltliche verbirgt. Die Geschichten leben von aktuellen Inhalten und einem enormen Sprachklang. Der Wandel der Zeit ist beständig in den Zeilen spürbar. Eine Gesellschaft, die sich im Dörflichen wiederfindet.  

Das Dorf als Sehnsuchtsort oder als Portal zu Parallelwelten bietet in dieser Sammlung genug Raum für persönliche Reflektion. Ein Ort lebt von der Gemeinde, der Gemeinschaft und gerade die Gegenwart belegt, wie brüchig viele Gefüge geworden sind. Äußere Umstände erzwingen Veränderung, die oft mit individuellen Schicksalen verbunden sind. Der persönliche Schrecken, zum Beispiel durch Flut, Dürre oder Krieg ausgelöst, darf sich nicht unseren Blicken entziehen. Dies sind Geschichten, die einer Flüchtigkeit trotzen wollen.

In einer Geschichte geht es um sogenannte Lost Places. Es gibt einen Kult um solche Orte. Die Schönheit des Verfalls und die Romantik des Untergangs sind stets eine Frage der Perspektive. Kult für den, dessen Welt nicht gerade aus den Fingern rinnt.

In weiteren Erzählungen geht es um die Farben, die Gerüche der Ortschaften. Die hiesigen Pflanzen und der Geschmack der angebauten Nahrung innerhalb der Lebensräume. Auch Steine sind Botschafter und können Mitteilungen offenbaren, gleich dem unterschiedlichen Lichteinfall der Tages- und Jahreszeiten. Orte werden hier betrachtet, die Zeiten und Geschichte durchlaufen. 

Wir durchqueren mit dem Buch Wahres, Erträumtes und treten mit den Zeilen in einen inneren Dialog. Dies passiert stets beim Lesen und weckt Verständnis und Empathie. Daher ist der kleine Mittelteil etwas befremdlich, in dem der Lesende zu den Texten befragt wird und zu einer Interaktion eingeladen wird.

Das Buch bietet großen Raum für Entdeckungen und ist ein kleiner Schatz. Die Autorinnen und Autoren sind: Isabella Straub, Sara Milena Schachinger, Sofie Morin, Marlen Schachinger, Daniel Zipfel, Sophie Reyer, Clarissa Lempp und Bettina Schwabl.

Ein Reigen an aktueller Literatur, die die Dörflichkeit fixiert und nach dessen Beständigkeit fragt. Ein Blick in den Mikrokosmos und somit in den Makrokosmos unserer Gegenwart.

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