Isabella Caldart: „Die Stadt, die sie schrieben“

Autorinnen in New York City

Es gibt Städte, die wir alle meinen gut zu kennen, obwohl wir diese persönlich nie besucht haben müssen. Es sind Städte, die durch das Nennen des Namens in uns schon bestimmte Assoziationen, Gefühle und Sehnsüchte wecken. Es sind Metropolen, die wie gelöst aus der Region, als eigener Lebensraum voller Träume, Lebensphilosophien und Eigenarten auf uns aus der Ferne einwirken. Meist festigt sich unsere Wahrnehmung der Stadt aus den erzeugten Bildern. Aus der Kunst, der Musik, dem Film und besonders aus der Literatur. Es sind Städte wie Tokio, Paris und natürlich New York. New York lebt in unserer Phantasie. Wir haben alle eine Vorstellung der Stadt mit ihren Stadtteilen, ihrer lebendigen Hektik, ihrer Lebenskunst und ihrer Architektur. Isabella Caldart hatte einst für die Reise in die Stadt gespart, dann diese besucht und erlebt. Es wurde ihre Stadt und als Journalistin hat sie das Glück, immer wieder in die Stadtwelt einzutauchen. Ihre schreibenden Schwerpunkte sind immer: Literatur, Popkultur und die Gesellschaft. Das erst Bild, das wir von New York haben, mag durch die Straßenfassade der Sesamstraße entstanden sein. Viele Filmsettings kamen hinzu und doch lebt New York City besonders durch und von der Literatur. „Die Stadt, die sie schrieben“ geht nun durch die Literaturgeschichte, um jene Autorinnen zu zeigen, zu Wort kommen zu lassen und zu porträtieren, die von der Metropole beeinflusst sind und dann durch ihr Werk, die Stadt geprägt haben. Die Stadt wurde durch sie lebendig, sie haben New York City verewigt. In der Realität, in der Welt der Bücher und letztendlich in unseren Herzen und Köpfen.

Isabella Caldart hat eine Auswahl getroffen, die Unbekanntes und Bekanntes zeigt und gerade dadurch zu einer sehr spannenden Entdeckungsreise einlädt. Über die großen Autoren wurde schon viel erzählt, geschrieben und gesagt. Auch große Autorinnen kennen wir. Doch wie kam es zu der Inschrift im Sockel der Freiheitsstatue? Damit beginnt die Reise. Jene Freiheitsstatue, die den Traum immer noch nach Freiheit, Gleichheit und Abenteuer weckt. Viele Einwanderer haben dieses Bild erlebt, als sie mit den Schiffen nach Amerika kamen und es ist das Bild, das uns bis heute auf Frieden und Freiheit hoffen lässt. Durch die literarische Zeitreise erinnern wir uns an die bedeutenden Autorinnen und lernen neue kennen. Die Reise geht durch die Stadtteile und der Blick ist dabei immer ein liebender und ein sich wundernder. Die Stadt, die sich eigentlich wenige leisten können und wo doch viele hin wollen. Die Literatur wurde mit diesen Frauen sozialkritisch und der Investigativjournalismus hat hier seinen Anfang gefunden. Frauen, die oft das Opfer der männlichen Welt waren, erheben ihre Stimme und betonen ihren Blick.

Das Buch ist ein purer Lesespaß und eine wunderbare Bereicherung. Es zeigt, wie sehr die Frauen, diese Autorinnen die Gesamtwahrnehmung von New York City geprägt haben. Dabei kommt der amerikanische Traum vor, die sozialen Unterschiede und die jeweiligen Lebensphilosophien. Wir lesen, reisen im Kopf mit und entdecken die Stadtteile mit ihren Besonderheiten neu oder zum ersten Mal. Wir lesen über Stimmen, die wir aufsaugen, um mehr zu erfahren. Ein eindrucksvolles Buch, das Lust auf die Metropole macht und eine Neugier auf die großartigen Autorinnen entfacht. Es ist sehr lebendig geschriebene Literaturgeschichte und eine nachfühlbare Liebeserklärung an New York. 

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