
Zuflucht und Zusammenhalt stehen im neuen Roman von Lena Müller im Vordergrund. Ein dichter Text, der nicht zielorientiert sein muss, sondern durch drei Abschnitte ein Gesellschaftsspiel beschattet. Eine Gemeinschaft, die sich durch Wetterbedingungen und das politische Klima findet. Aber jeder Zufluchtsort, jede ländliche oder gesellschaftliche Idylle birgt das, was der Mensch einbringt. Es ist ein Spiel zwischen Altem und der Moderne, zwischen Betonwüste und der Natur und der Intervention von Menschlichkeit.
Eli wird von Müßigkeit befallen, denn ihre Arbeit ist bedroht. Sie ist als Übersetzerin tätig und überträgt gerade eine Liebesromanreihe. Sie versucht gerade sich durch eine gewisse Raffinesse ihres Sprachgefühls von den modernen Technologien und Möglichkeiten abzugrenzen, damit die Verlage und Auftraggeber spüren, dass eine menschliche Übersetzung mehr kann. Doch die künstliche Intelligenz suggeriert leider den finanziellen Vorteil und somit wird sie nach dem letzten Band für weitere Aufträge vorerst nicht benötigt. Sie ist eine alleinerziehende Mutter und hat für sich bisher wenig Raum und Zeit beansprucht. Sie wohnt mit ihrem Kind in einer Gegend, die von Betonbauten geprägt ist. In diesem Sommer ist die Hitzewelle besonders auffällig und es wird in der engen Wohnung fast unerträglich. Sie sucht Nähe zu anderen Menschen und entzieht sich dieser auch immer wieder gerne. Wenn der Junge schläft, besucht sie oft Gunda in ihrer Kneipe. Als die Hitze immer mehr zunimmt, beendet Gunda die Kneipentätigkeit und ruft die Mütter und Kinder des Hauses zusammen, damit diese sich in der kühleren Gastwirtschaft aufhalten können. Eine Gemeinschaft entsteht, die zumindest am Tage einen Zusammenhalt erzeugt. Es wird gemeinsam der Tagesablauf organisiert und Gunda, die im Mittelpunkt der Ereignisse steht, beginnt zu erzählen. Sie berichtet immer wieder aus ihrer Zeit in der DDR. Gunda sagt, sie habe zwei Systeme erlebt, ein schlecht gemachtes sozialistisches System und ein schlecht gemachtes kapitalistisches System. Denn bei der Frage, wie die Menschen gut füreinander sorgen können, sind beide gescheitert. Daraus resultiert eine Erschöpfung, die jene äußeren Bedingungen zu inneren Konflikten verwandeln. Ein Spiel zwischen Gehorsam und kritischem Denken beginnt. Gunda hat damals eine Kommune gegründet, einen Lesezirkel, der von Träumen, Ideen und Diskussionen lebte. Das Kollektiv war der Club der Verschwenderinnen. Das, was verschwendet wurde, war das, was alle hatten. Zeit, die sie nun gemeinsam füllten. Aus den Zielen wurden Erinnerungen, die nun in den Erzählungen lebendig werden und es bildet sich ein neuer Kreis.
Der Roman setzt sich aus vielen Lebensmodellen und aus Gegenpolen zusammen. Es gibt oft Entsprechungen und es baut sich eher eine Stimmung als eine wirkliche Handlung auf. Es passiert viel, Gesellschaftliches, Politisches und im Miteinander. Übergriffigkeit, Individualismus und Gewalt tauchen auf. Das politische Gesamtbild wird während eines Sommers in die Hitze gestellt. Dabei sind es die Frauen, die sich einen Zusammenhalt suchen. Eigensinnige Charaktere und ein stimmungsvoller Blick auf uns, auf unser Miteinander und auf unsere Geschichte. Lena Müller benutzt eine Bildsprache, die nicht alles gänzlich ausmalt, sondern auch Raum zum Nachempfinden lässt. Hitze und Kühle, Direktheit und Distanz, sich mögen oder sich anfeinden sind die Pole, die sich hierbei fast poetisch umspielen. Trotz der Hitze, den düsteren Möglichkeiten der KI und der gesellschaftlichen Verrohung, zeigt der Roman immer auf die Hoffnung.
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