„Die Gottespartitur“

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Wie viel kann man glauben?

Ein Kollege von uns, Edgar Rai, Buchhändler in Berlin, hat mit dem Roman „Die Gottespartitur“ einen Roman um den Glauben, um Gewissheit und Liebe – und am Ende um Leben und Tod geschrieben.

Ein leicht zu lesender Dialogroman, der durch seine Spannung fast schon wie ein Thriller die Lesezeit verkürzt, aber im Nachhinein Tiefgründiges beim Leser erklingen läßt.

Es geht um Gabriel Pfeiffer, der als Literaturagent auf der Buchmesse von einem jungen Geistlichen angesprochen wird. Edgar Rai, selber vom Fach, schildert sehr detailliert den typischen Messealltag. Der Charakter Gabriel Pfeiffer, ein zynischer Mensch nimmt den schüchternen Geistlichen nicht ernst, denn dieser sagt „Es geht um Gott! – möglicherweise habe er eine bedeutende Entdeckung gemacht.“ Tage später in einer Zeitungsnotiz liest Gabriel Pfeiffer, dass ebenjener Seminarist Matthias tot in einer bayerischen Dorfkirche gefunden wurde. Nun zieht ihn die Geschichte doch in den Bann: in ihrem Zentrum ein geheimnisvolles Manuskript, das schon um 1780 den Wissenschaftler Charles Burney elektrisierte. Auf seiner Suche bereiste der Gelehrte Burney halb Europa, bis ihm das kostbare Stück in Bologna endlich in die Hände fiel. Das Aufsehenerregende ist: Es zog eine Spur des Todes hinter sich her, ein jeder Besitzer verstarb auf mysteriöse Weise. Diese Geschichte lässt Gabriel nicht mehr los. Er recherchiert in den Archiven von London und in dem bayerischen Dorf. Was er findet, ist mehr als eine gute Story. Denn es geht um „Gott“…

Edgar Rai nennt seinen Hauptprotagonisten Gabriel, gleich einem der Erzengel. Aber es ist Raphael, der im Faust von Goethe sagt: „Die Sonne tönt nach alter Weise / In Brudersphären Wettgesang“. Edgar Rai, der Musikwissenschaften studiert hat, spielt auch auf diese Sphärenmusik an. Letzteres ist der Ton, der (uns) allen inne ist, und einmal zum Erklingen gebracht, das Göttliche zum Vorschein bringt. Diese Schwingung ist das, was alle und alles verbindet, der Klang, die Leere, die Harmonie…

Ebenso kann man diesen Roman auch als eine zarte Kirchenkritik deuten – Gabriel selber als angedeutetes Opfer? Am Anfang erleben wir Gabriel als Trinker, der keine Liebe und Nähe zulässt. Er macht sich auf die Suche nach dem Gottesbeweis. Aber dort wo ein Beweis ist, hört der Glaube auf und wie viel kann man noch glauben?

Ein interessanter Text, der krimiartige Spannung aufbaut, und an die Filme „Schlafes Bruder“ und „Jenseits der Stille“ mit Giora Feidman ( „Listen to the music inside ..“) denken lässt.

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