„Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“

„Was hoffst du in diesen Regalen zu finden?“

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Der junge Autor Robin Sloan erzält in seinem Debüt „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ eine Geschichte, wie man sie bisher noch nie gelesen hat und die Hauptrolle spielt das Buch – als historisches und kulturelles Gut. Der generationsverbindende Träger alten Wissens und Geheimnisträger. Ein intelligentes und inspirierendes Werk.
Im Mittelpunt stehen zwei Buchhändler – ein jüngerer, der sich für Technik begeistert und ein älterer, der die bibliophile Weisheit von Jahrhunderten in sich zu tragen scheint.

Die Handlung beginnt als der ehemalige Webdesigner Clay Jannon auf einem Spaziergang eine Stellenanzeige liest, die ihn in die Buchhandlung von Mr. Penumbra führt. Schnell merkt er, daß dies keine gewöhnliche Buchhandlung ist und hier irgendetwas nicht stimmt. Schräge und schrullige Kunden besuchen den immergeöffneten Laden, den 24-Hour-Bookstore. Diese Kunden kaufen nichts, sondern leihen die Bücher nur aus. Drei Stockwerke hohe Regale beherbergen riesige Folianten, die keine gewöhnlichenTexte beinhalten. Nach und nach findet Clay heraus, daß Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind.
Mit Hilfe seines Technikwissens, der Unterstützung seines besten Freundes Neel, seiner Freundin Kat, die bei Google arbeitet und der Weisheit von Mr. Penumbra, macht sich Clay daran dieses Geheimnis zu lüften, das noch aus den Anfangszeiten des Buchdrucks stammt.

Es ist eine Welt, in die man als Leser eintaucht, die zwei Parallen der heutigen Zeit beleuchtet. Eine moderne technikversessene Welt, die dennoch beseelt wird vom alten Wissen, von der Liebe zum gedruckten Buch des bibliophilen Menschen.
„Hauchdünne Ranken der Morgendämmerung schleichen sich von Osten her an. Menschen in New York fangen leise an zu twittern.“
Clays Freund ist ein Künstler für Spezialeffekte, der nicht per Computerprogramm fremde Welten erschafft sondern per Hand Modelle baut. „Magie mit Händen geschaffen“. Ebenso gibt es ein Szene, in der Clay als virtueller Gast auf einer Party dabei ist ohne da zu sein. Eine Welt auf der das Elektronische auf das Echte stösst.
Ein Ergebnis des Rätsels scheint mit moderner Computertechnik schnell gefunden, aber nicht verstanden bzw. erfasst zu werden. So ist es das alte Wissen, das Handwerk und das echte Material das immer neue Herausforderungen schafft und ein Erfassen möglich macht. Es gibt Dinge, die die Menschheit einmal wusste, die wir aber immer noch nicht wiederentdeckt haben.

„Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ ist ein Roman über Bücher und ihre Leser, gleich dem Bücherlabyrinth von Zafón, dem „Labyrinth der Welt“ von Ross King und liest sich sehr kurzweilig und spannend wie eine Abenteuergeschichte das 21. Jahrhunderts.
Vor allem ist es eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher und auch an deren Hüter, die Buchhändler.

„Ich mag Bücher sehr gern, weil sie meine besten Freunde sind.“

Ich habe keine Lust auf eine Welt ohne Buchhandlungen und Buchhändler. Ich möchte keine virtuellen Bücherregale. Wenn die Digitalisierung unserer Geschichten und des Wissens gewünscht ist, verschwinden die wunderbaren Buchhandlungen und ihre Charaktere, die uns einladen das richtige Buch in  ihren Regalen zu finden und zu erfassen. Sei es Penumbra, Karl Konrad Koreander (aus: „Unendliche Geschichte“ von M. Ende) oder sogar bei uns…
Wie sagte Jo Lendle (Dumont und Hanser Verleger) in einem Interview:

„Was aussieht wie die Tür einer Buchhandlung, ist in Wahrheit der Zugang zu tausend Nebenwelten. Nichts wie rein!“

6 Kommentare

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6 Antworten zu “„Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“

  1. Pingback: Sonntagsleserin KW #12 – 2014 | buchpost

  2. Hallo!
    Ich habe letzte Woche auch Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra fertig gelesen und bin ähnlich begeistert. Meine Rezension steht allerdings noch aus.
    Liebe Grüße aus dem Wald,
    B.ee

    PS: Ich gehe direkt mal auf die Suche nach Labyrinth der Welt

    • Vielen Dank!
      „Das Labyrinth der Welt“ von Ross King ist faszinierend, spannend, fesselnd und sehr intelligent… aber leider vergriffen!
      Herzliche Grüße aus Kiel!

  3. Deine Rezension liest sich ganz und gar bezaubernd und verspricht mir all das, was ich mir bei diesem Buch erhofft habe. Es scheint, dass ich um dieses Buch nicht weiter herumschlendern darf, sondern es beim nächsten Besuch mitnehmen MUSS. Der Vergleich mit Zafón und King ist dabei wie ein Schubs in seine Richtung. „Das Labyrinth der Welt“ hat jetzt auch mein Interesse geweckt. Kann ja nicht sein, dass es vergriffen ist?! =) Vlg Steffi

    • Liebe Steffi,
      verzeih, ich habe Deinen Kommentar erst jetzt gefunden…
      Vielen Dank für Deine netten Worte. Leider ist das tolle Buch „Das Labyrinth der Welt“ von Ross King vergriffen. Herzliche Grüße aus Kiel, Hauke

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