Orkun Ertener: „Lebt“

Lebt

„Lebt“ von Orkun Ertener verwebt Fiktion und Wahrheit zu einem ungewöhnlichen, packenden Roman und mit jeder Enthüllung steigt die Vermutung, daß die Wahrheit oft ganz anders ist, als der Leser denkt…

Ein spannender Roman über einen Protagonisten, der sich als Ghostwriter mit den Biografien anderer Menschen beschäftigt, aber seine eigene erst kennen lernen muß. Gleich einem Puzzlespiel findet man immer neue Steine, die erst an richtiger Stelle ein Ganzes ergeben…

Der Roman ist groß angelegt und bietet mehr als ein gewöhnlicher Familienroman oder ein sich nach jeder Enthüllung steigernder Thriller. Der Reiz des Textes ist die deutsche, türkische und jüdische Vergangenheit, die das Kernstück des Romans ausmacht und ein erschütterndes Kapitel der Geschichte vermittelt.

Die Handlung beginnt mit einem normalen Auftrag für Can Evinman. Er soll für eine berühmte Schauspielerin, Anna Roth, die Autobiografie schreiben. Anna Roth ist nicht nur Schauspielerin, sonder hat sich auch als Ärztin für ihren engagierten Einsatz für humanitäre Hilfsorganisationen einen Namen gemacht.

Die Assistentin von Anna Roth spielt ebenfalls ihr eigenes Spiel, sie bittet Can um private Hilfe. Ihr Großvater, der als SS-Offizier niemals belangt wurde, möchte seine Geschichte erzählen. Der greise Mann war während des Krieges in Thessaloniki stationiert und hat sich dort als Nazi vieler Verbrechen schuldig gemacht. Als der SS-Offizier damals selber in Gefahr gerät, wird er von einem Chajim Evinman verschont…

Da die Vornamen Can und Chajim jeweils für „Leben“ stehen, türkisch und hebräisch, kann alles kein Zufall mehr sein.

Ab sofort gerät Can, dessen Eltern im norddeutschen Watt ums Leben kamen, in einen gewaltvollen Strudel. Nichts ist mehr so, wie es bisher war. Denn auch seine Eltern waren das Opfer eines Verbrechens und jetzt wird auch seine Identität bedroht.

Gemeinsam mit Anna versucht Can herauszufinden, was wirklich passiert ist. In Thessaloniki werden sie fündig und das Schicksal ihrer beiden Familien ist eng miteinander verbunden.

Es ist die Geschichte der Dönme. Eine Religionsgemeinschaft von zum Islam konvertierten Juden, die während des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustauschs ihre Heimat verlassen mussten aber nie in der Türkei akzeptiert wurden. Viele wanderten aus, einige nach Deutschland. Can stammt aus einer Tabakdynastie, deren Vermögen den Nazis in die Hände fiel. Die Vergangenheit seiner Familie holt ihn ein und sein Leben ist in Gefahr, denn es gibt Mächte, die nicht möchten, das alle Geschichten erzählt werden…

Ein gut zu lesender und spannender Roman, der immer wieder neue Facetten öffnet und stets gut zu unterhalten weiß.

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